New York - Wie sich aus den eingereichten Unterlagen ergibt, übersteigen die Verbindlichkeiten die Vermögenswerte um 64 Millionen Dollar. Das geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hervor. Penthouse International selbst, zu der General Media gehört, habe noch keinen Insolvenzantrag gestellt. Beide Unternehmen gehören zu 85 Prozent Bob Guccione, der den Verlag 1965 gründete.
Auch der Stammsitz des Verlags, das Penthouse Mansion, ist durch den Finanz-Engpass von der Zwangsversteigerung bedroht. Das New Yorker Stadthaus an der East 67th Street hat eine Fläche von 2000 Quadratmetern, verteilt auf fünf Stockwerke. Im hauseigenen Swimmingpool werden nicht nur die Fotostrecken geschossen, dort können sich auch die Kunden amüsieren. Außerdem wohnt der 72 Jahre alte Guccione dort. Das Haus dient als Sicherheit für einen Kredit über rund 15 Millionen Dollar.
Der Antrag auf Gläubigerschutz markiert den vorläufigen Tiefpunkt eines langjährigen Niedergangs. Der Penthouse-Umsatz war im Verlauf der vergangenen zehn Jahre um 53 Prozent auf 53,8 Millionen Dollar zurückgegangen. Zuletzt betrug die Auflage des Penthouse-Magazins nur noch knapp über 500.000 Exemplare. In seinen besten Zeiten hatte "Penthouse" eine Auflage von mehr als einer Million. Der Marktführer "Playboy" erscheint derzeit mit einer Auflage von rund 3,2 Millionen.
Das Überangebot an freizügigen Bildern und Filmen, die durch Videotheken, Kabelfernsehen und über das Internet verbreitet würden, hätten dem Magazin immer stärker zugesetzt, sagt "Penthouse"-Chefredakteur Scott Avila.
Erst vor kurzem war der Verlag auch durch Ungereimtheiten in seinen Bilanzen in die Schlagzeilen geraten. Guccione sah sich gezwungen, die Berichte für das Jahr 2002 und das erste Quartal 2003 nachträglich zu korrigieren, nachdem die US-Wertpapieraufsicht SEC eine genauere Untersuchung angeordnet hatte. Während der Quartalsbericht von General Media am 16. Mai einen noch unbestimmten Verlust ausgewiesen hatte, war aus dem eine Woche später eingereichten Penthouse-Bericht ein Gewinn von 828.000 Dollar hervorgegangen.
Doch nicht nur die Zahlen, auch die Fotos des Magazins sorgten für Aufsehen - und das im negativen Sinne: 2002 kam es zu einem peinlichen Schnitzer: "Penthouse" brachte in seiner Juni-Ausgabe eine zehnseitigen Nacktfoto-Reportage, in der angeblich "Oben ohne"-Bilder der Tennisspielerin Anna Kournikova zu sehen sein sollten.
Der Scoop hatte allerdings einen Schönheitsfehler: Die Bilder zeigte nicht die Russin, sondern eine Italienerin. Konkret: die Schwiegertochter von Mode-Macher Luciano Benetton, Judith Soltesz-Benetton.
Die 28-Jährige war von der Tatsache, dass sie nun barbusig von aller Welt zu sehen war, nicht sonderlich begeistert. Sie setzte ihre Anwälte in Marsch und forderte mehr als zehn Millionen Dollar Schadensersatz sowie den Rückruf von 1,2 Millionen Heften.
Nun ist die US-Version des "Penthouse" pleite - den deutschen Ableger betrifft dies jedoch nicht. Im Gegenteil: Noch 2002 wegen zu geringer Auflage vorübergehend eingestellt soll "Penthouse" nun den Markt aufmischen. Das Magazin erscheint jetzt im Düsseldorfer Publitas-Verlag.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH