Wirtschaft



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20.10.2003
 

Warnhinweise auf Zigarettenschachteln

Es lebe der Auswurf

Von Tom Hillenbrand

Die meisten Raucher sind von den neuen Horrorhinweisen auf deutschen Zigarettenpäckchen genervt und fühlen sich gegängelt. Gut, dass eine Webdesign-Agentur seit Kurzem jedem die Möglichkeit bietet, sich seine Warnschnipsel selbst zu gestalten.

Hausmacher-Warnhinweis: Platz für die eigene Message

Hausmacher-Warnhinweis: Platz für die eigene Message

Hamburg - Kreative, also Werber oder Web-Designer, sind Raucher. Meistens. Wer kreative Ideen produzieren will, der muss sich entspannen - dabei hilft angeblich die Zigarette. Weniger hilfreich sind kognitive Dissonanzen, wie sie die neuen Zigarettenpäckchen produzieren. Wenn einen die eigene Packung anschreit: "Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen!" - wie soll einem da noch eine hübsche Idee oder ein flockiger Slogan einfallen?

Von den neuen Warnhinweisen entsprechend genervt waren auch die Mitarbeiter der Webdesign-Agentur Firemove.de. In einer abendlichen Kneipensitzung kam Designerin Anna Knierim (Raucherin) auf die Idee, eigene Warnhinweise zu entwerfen. Denn, so erklärt ihr Kollege Dirk Jansen: "Als Raucher fühlten wir uns unterschwellig bevormundet." Jansen ist zwar kein Designer, sondern Jurist, qualmt aber trotzdem.

"Diese Zigaretten enthalten Tabak"

Herausgekommen sind Warnhinweise wie: "Rauchen kann vor wütenden Bienenschwärmen schützen", "Es lebe der Auswurf" oder "Rauchen kann eine riesige und schmerzhafte Dauererektion hervorrufen". Unter Rauchergedicht.de bietet die Agentur ein Flash-Tool an, mit dem man seine eigenen Warnhinweise entwerfen und layouten kann. Der ausgedruckte Schnipsel wird dann unter die Packungsfolie geschoben.

Warnhinweise: "Kettenraucher könnten länger leben als Nichtraucher in Ketten"
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Warnhinweise: "Kettenraucher könnten länger leben als Nichtraucher in Ketten"

Eine hübsche Idee, denn sie verwandelt den staatlich verordneten Zeigefinger in eine Weißfläche, die jeder zur individuellen Gestaltung seiner Packung nutzen kann. Jansen beteuert, dass seine Agentur nicht unter der Hand von der Zigarettenindustrie beauftragt sei. Vielmehr sei die Kampagne "völlig sinn- und kostenlos".

Ähnliche Aktionen aus anderen EU-Ländern wie Frankreich, dessen Raucher sich schon seit Längerem mit den Gruseletiketten herumschlagen müssen, sind nicht bekannt. Allerdings soll dort das etwas aus der Mode gekommene Zigarettenetui eine Renaissance erleben: Viele Raucher füllen ihre Lungetorpedos direkt nach dem Kauf in ein Metalldöschen um. Jansen glaubt nicht, dass die Warnetiketten irgendjemanden vom Rauchen abhalten, zumal wenn auf den Packungen Sätze stehen wie: "Rauchen kann die Spermatozoen schädigen". Jansen: "Es weiß doch eh keiner, was das ist."

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