London - Didier Sornette und Wei-Xing Zhou von der University of California in Los Angeles beobachteten die Auf- und Ab-Bewegungen des US-Index Standard & Poor's (S&P) 500 und entwickelten daraus ein neuartiges Modell, berichtet das Magazin "New Scientist" .
Den beiden Physikern zufolge lässt sich bei Börsianern ein ausgeprägtes Herdenverhalten beobachten - wenn sich der S&P in eine Richtung bewegt, springen weitere Investoren auf den Zug auf und verstärken so den Aufschwung oder Abschwung. Das Phänomen ist bereits länger bekannt und wird von einer Fachrichtung namens Behavioral Finance (Verhaltenstheorie der Börse) untersucht. Die beiden Wissenschaftler haben nun allerdings erstmals komplexe Gleichungen entwickelt, die den Herdentrieb abbilden.
Dadurch, so hoffen die Physiker, werden in Zukunft bessere Börsenprognosen möglich sein. Bisher sind sämtliche Versuche, zukünftige Indexstände vorherzusagen, fehlgeschlagen. Analysten und Charttechniker liegen genauso häufig daneben wie Ökonomen oder Finanzmathematiker. Einige Forscher wie der amerikanische Ökonom Burton Malkiel behaupten gar, dass die Bewegungen der Börse sich jedweder Prognose entzögen, weil sie rein zufällig erfolgten.
Ob das neue System tatsächlich besser ist als alle früheren, wird erst die Praxis zeigen. Sornette zufolge hätte sein Modell die fünf größeren Abstürze seit dem Jahr 2000 vorhergesagt. Glauben werden ihm das die meisten Börsianer erst, wenn das Modell tatsächlich einige Crashs vorhergesagt hat. Festgelegt haben sich die Physiker schon einmal für das Frühjahr 2004, in dem der nächste Einbruch erfolgen soll.
Bei der Prüfung des Modells könnten die Physiker allerdings ein Beobachtungsproblem haben: Wenn eine Mehrheit der Börsianer an ihre Modellprognose glaubt, dürfte sich ihr Verhalten ändern - und damit die Wahrscheinlichkeit eines Crashs verändern.
Thomas Hillenbrand
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