Washington - "Es gibt keine einzelne Behörde, die die Auftragsvergabe für die Regierung überwacht hätte", sagte der Direktor des Washingtoner Zentrums für öffentliche Integrität, Charles Lewis, der die Studie am Donnerstag vorstellte. "Dies allein zeigt, wie anfällig das System für Verschwendung, Betrug und Vetternwirtschaft ist." Dass die Aufträge - wie sonst allgemein üblich - nicht offiziell ausgeschrieben worden seien, rechtfertigten die Behörden mit einem simplen Argument: Eine Ausschreibung hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen.
Die Ergebnisse der Studie, die mehr als 70 US-Firmen und Einzelpersonen untersuchte, sind in der Tat alarmierend: Demnach haben am Wiederaufbau in Irak und Afghanistan maßgeblich beteiligte US-Unternehmen den vergangenen Wahlkampf von US-Präsident George W. Bush mit hohen Summen unterstützt.
Die zehn wichtigsten Auftragsnehmer in den beiden Ländern spendeten seit 1990 elf Millionen Dollar an politische Parteien, Ausschüsse und Kandidaten. Der überwiegende Teil des Geldes floss an eine einzige Partei: Bushs Republikaner.
Wenig erstaunlich, dass die Vorstandsmitglieder der Unternehmen, die die lukrativen Aufträge erhielten, enge Verbindungen zu Politik und Militär unterhielten. Zu Bushs Wahlkampf 2000 steuerten sie insgesamt mehr als 500.000 Dollar bei - mehr als sie jedem anderen Politiker in den vergangenen zwölf Jahren spendeten.
Die guten Beziehungen zahlten sich aus: Die meisten der zehn größten Aufträge in Irak und Afghanistan sind der Studie zufolge an Unternehmen gegangen, bei denen frühere ranghohe Regierungsbeamte beschäftigt oder Vorstände mit engen Verbindungen zu Kongressmitgliedern installiert sind. Zuweilen verfügten die Manager auch über direkte Drähte in genau die Behörden, die die Aufträge vergaben.
Ein Beispiel: Die größten Aufträge im Umfang von 2,3 Milliarden Dollar erhielt das Halliburton-Tochterunternehmen KBR, das die US-Armee logistisch unterstützen und die irakische Ölindustrie wieder aufbauen soll. Bis zum Jahr 2000 hatte der Konzern einen prominenten Chef: den jetzigen US-Vizepräsidenten Dick Cheney.
Dessen Nachfolger, der aktuelle Halliburton-Chef Dave Lesar, gab sich am Mittwoch verletzt über die Kritik. Es gehe offenbar weniger um Halliburton als um externe politische Angelegenheiten, sagte er.
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