Baby beim Essen: Bisher keine eindeutige Erklärung für die Todesfälle
Jerusalem/Herford - Eine für den israelischen Markt hergestellte Babynahrung der Herforder Humana GmbH wird nach drei Todesfällen und mehreren Erkrankungen unter israelischen Säuglingen vom nordrhein-westfälischen Landesumweltministerium überprüft. Humana teilte in Herford mit, die in Deutschland vertriebenen Produkte seien anders zusammengesetzt als die für Israel bestimmte, koschere Säuglingsnahrung.
"Da das Produkt inzwischen vollständig vom Markt genommen wurde, können wir eine mögliche weitere Gefährdung in Israel ausschließen", teilte Humana am Montag mit. In allen anderen Märkten einschließlich Deutschland habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung bestanden. Alle auf dem deutschen Markt erhältlichen sojahaltigen Produkte "Humana SL milchfreie Flaschennahrung" und "Humana SL Brei" seien nicht von dem Rückruf betroffen.
B1-Mangel als Ursache vermutet
Am Samstag hatte das israelische Gesundheitsministerium nach Angaben von Humana die betreffende sojahaltige Babykost "Remedia Super Soya 1" in einer Rückrufaktion vom Markt genommen. Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums sagte, das Ministerium sei am Sonntag von Humana über die Todesfälle in Israel informiert worden und habe daraufhin sofort Lebensmittelkontrolleure in das Werk nach Everswinkel geschickt. Bislang lägen keine Ergebnisse vor. Anhand der einbehaltenen Rückstellungsproben könnten die verdächtigen Produkte, die in den Export gingen, problemlos untersucht werden. Dabei gehe es unter anderem um den Verdacht, dass in der Babynahrung zu wenig Vitamin B1 enthalten gewesen sei. Diese Befürchtung hatte das israelische Gesundheitsministerium geäußert.
Humana zufolge ist in den betreffenden Produkten jedoch durchaus B1 enthalten. Dies hätten erste Zwischenergebnisse von unabhängigen Instituten ergeben. Exakte Ergebnisse seien am Dienstag zu erwarten. Die von Humana für den israelischen Markt produzierten Produkte würden von Rabbinern in jeder Produktionsphase kritisch begleitet und überwacht. "Neben der Babynahrung können auch andere Ursachen für die Erkrankungen verantwortlich sein", hob das Herforder Unternehmen hervor. Eine abschließende Stellungnahme sei erst nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse möglich.
Sabotage nicht ausgeschlossen
Die Babynahrung wird in Israel von der Heinz-Tochter Remedia vertrieben. Remedia hatte am Sonntag mitgeteilt, es habe die Zusammensetzung der koscheren Nahrung im Juni leicht verändert. Nach Angaben von Humana besteht seit 1990 eine Zusammenarbeit mit Remedia in Israel. Alle Produktionen für den israelischen Markt würden "direkt vor Ort von beauftragten Rabbis in jeder Produktionsphase kritisch begleitet und überwacht". Die Rezepturen würden nach Vorgabe und in Zusammenarbeit mit Remedia entwickelt.
Nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums starb das erste Baby im Juni, kurz nachdem die Milch in neuer Zusammensetzung auf den Markt gekommen war. Zwei weitere Todesfälle wurden seit Anfang November gemeldet. Mehr als 20 weitere Kinder seien erkrankt. Sie zeigten Symptome wie Erbrechen, Durchfall und Unruhe.
Einem Bericht der israelischen Tageszeitung "Haaretz" zufolge haben sich auch die Geheimdienste Mossad und Schin Bet in die Ermittlungen eingeschaltet. Es sei unmöglich zu sagen, ob eine absichtliche Manipulation der Babynahrung vorliege, erklärte ein Vertreter des Gesundheitsministeriums. Auch ein Mitarbeiter von Remedia habe Sabotage in Betracht gezogen, schrieb die Zeitung "Jediot Ahronot".
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