Stuttgart - Der stellvertretende Vorsitzende der AOK in Baden-Württemberg, Christopher Hermann äußerte in einem Gespräch mit der "Stuttgarter Zeitung" die Vermutung, dass die großzügigeren Regelungen etwa für chronische Kranke oder bei Taxifahrten insgesamt mit mindestens einer Milliarde Euro zu Buche schlagen.
"Die Politik kann sich jetzt von ihrem Ziel eines durchschnittlichen Beitragssatzes von 13,6 Prozent verabschieden", zitierte das Blatt Hermann. Für die Patienten sei die Einigung von Kassen und Ärzten zwar eine gute Nachricht, doch seien die Auswirkungen auf die Beiträge massiv. So sei bei den Krankentransporten ursprünglich ein Einsparvolumen von 500 Millionen Euro angepeilt worden. Jetzt lasse sich höchstens noch ein Zehntel dieser Summe erreichen. Ähnliche finanzielle Folgen habe die neue Chronikerregel. "Allein bei uns werden wohl 300.000 der vier Millionen Versicherten in diese Kategorie fallen", sagte der AOK-Landesvizechef.
Auch nach Ansicht des Chefs der Barmer Ersatzkasse, Eckart Fiedler, dürften weitere Beitragssatzsenkungen "geringer ausfallen". Dem Berliner "Tagesspiegel" gegenüber zeigte sich Fiedler daher skeptisch bezüglich des Ziels von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), die Kassenbeiträge dieses Jahr unter 14 Prozent zu drücken. Schließlich seien auch die Ausgaben für verordnete Arzneimittel im Dezember um 26 Prozent gestiegen.
Ministerin Schmidt geht dagegen weiter von sinkenden Krankenkassenbeiträgen aus. "Wir werden das am Jahresende sehen: Die durchschnittlichen Beitragssätze sind jetzt schon gesunken und sie werden weiter sinken", sagte Schmidt im Fernsehsender Phoenix. Die Kassen könnten allerdings nur dann ihre Beiträge senken, wenn sie das notwendige Geld erwirtschaftet hätten, schränkte sie ein.
Auch der Kölner Gesundheitsökonom Karl Lauterbach wies die skeptischen Einschätzungen der Krankenkassen zurück. "Ich gehe nach wie vor von einer durchschnittlichen Senkung auf deutlich unter 14 Prozent aus", sagte Lauterbach der in Cottbus erscheinenden "Lausitzer Rundschau".
Was die Selbstverwaltung von Ärzten und Kassen bereits im Dezember zu den Chronikern beschlossen hatte, sei über den gesetzlich vorgegebenen Sparrahmen hinaus gegangen. Insofern entstehe mit der in dieser Woche geänderten Regelung jetzt auch kein verringerter Spareffekt, argumentierte Lauterbach. "Der alte Vorschlag der Selbstverwaltung wäre sogar teurer gekommen, weil ein Chroniker zum Beispiel mehrfach im Krankenhaus liegen musste, um als Chroniker zu gelten", gab der Experte zu Bedenken.
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