Wirtschaft



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30.01.2004
 

Folgen der Praxisgebühr

Zahl der Arztbesuche sinkt deutlich

Fast einen Monat nach Einführung der Praxisgebühr rufen noch immer zahlreiche verwirrte Patienten Hilfe suchend bei Hotlines an. Zugleich zeichnet sich ab: Um zu sparen, gehen die Deutschen weit seltener zum Arzt als früher.

Ein Patient bezahlt: "Noch immer sehr viel Verwirrung"
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DPA

Ein Patient bezahlt: "Noch immer sehr viel Verwirrung"

Berlin - Die Praxisgebühr zeigt gleich in mehrfacher Hinsicht Wirkung. So ist die Zahl der Überweisungen nach einer Mitteilung des Deutschen Hausärzteverbandes seit dem 1. Januar sprunghaft nach oben geklettert - um 300 bis sogar 400 Prozent. Überweisungen werden neuerdings von den Patienten benötigt, damit sie beim Facharzt nicht erneut zehn Euro Quartalsgebühr entrichten müssen.

Zugleich ist die Zahl der Arztbesuche im Januar im Vergleich zum Dezember um 17 Prozent zurückgegangen. Diese Zahl überzeichnet die Realität etwas, da viele Patienten bewusst im Dezember zum Arzt gingen, um der Gebühr auszuweichen. Aber auch im Vergleich zum Januar 2003 ging die Zahl der Arztkontakte um acht Prozent zurück.

"Staus in den Wartezimmern"

Der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sagte unterdessen, viele Patienten hätten das komplexe System der Praxisgebühr und neuen Zuzahlungen "noch nicht verstanden". "Es gibt noch immer sehr viel Verwirrung", so KBV-Sprecher Roland Stahl. Seine Vereinigung sei in diesem Monat bombardiert worden mit Fragen. "Einzelne Kassenärztliche Vereinigungen hatten in Spitzenzeiten 2000 Anrufe an Tag, da sind Leitungen zusammengebrochen." Erst in den vergangenen Tagen habe sich die Lage etwas entspannt.

"Ärzte, Arzthelferinnen und Patienten haben einen Monat lang gekämpft", sagte Stahl. Besonders schwierig sei die Lage für Ärzte mit patientenstarken Praxen auf dem Land und einem entsprechend großen Einzugsbereich. "Hier kam es zu Staus in den Wartezimmern."

Patienten bunkerten Medikamente

Die Betriebskrankenkassen (BKK) in Nordrhein-Westfalen registrierten unterdessen für den Dezember 2003 einen massiven Anstieg bei den Arzneimittelausgaben. Im letzten Monat vor Inkrafttreten der Gesundheitsreform seien die Ausgaben um 40 Prozent gestiegen, erklärte der BKK-Landesverband.

Der Rückgang der Arzneimittelkosten im Januar habe dagegen nach vorläufigen Berechnungen lediglich 20 Prozent betragen. "Mit solch enormen Vorzieheffekten Ende 2003 und den geringen Ausgaberückgängen zu Beginn des Jahres 2004 ist es schwer, derzeit über Beitragssenkungen zu sprechen", sagte Vorstandschef Jörg Hoffmann.

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