Berlin - Allein die Ausgaben für Arzneimittel sind im Dezember 2003 nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Vergleich zum Vormonat um 43 Prozent gestiegen. Viele Patienten ließen sich aus Angst vor der Gesundheitsreform Medikamente auf Halde verschreiben. Auch die Ausgaben für Zahnersatz stiegen sprunghaft, obwohl sich hier für die Versicherten kaum etwas ändert.
Hauptursache für das Defizit ist nach Darstellung der Kassen jedoch die hohe Arbeitslosenquote von 9,2 Prozent. Auch die Überalterung der Bevölkerung macht den Kassen zunehmend zu schaffen - Rentner kosten die Kassen mehr als junge Versicherte.
Die Gesundheitsreform sollte den gesetzlichen Kassen nach Berechnung des Ministeriums eigentlich Einsparungen von rund 2,8 Milliarden Euro bringen. Zu den Maßnahmen von Ministerin Ulla Schmidt gehörten unter anderem eine Nullrunde für Kassenärzte und Krankenhäuser. Apotheker und Pharma-Großhändler mussten den Krankenkassen zusätzliche Rabatte gewähren. Das Sterbegeld wurde halbiert und die Pflichtversicherungsgrenze erhöht. So soll der Beitragssatz, der 2003 von 14,0 auf 14,3 Prozent anstieg, gesenkt werden.
Schmidts Sprecher Klaus Vater kündigte trotz der fehlenden Milliarden erste Beitragssenkungen für April diesen Jahres an. Von den niedrigeren Sätzen könnten rund 24 Millionen Versicherte profitieren.
Weniger Ausgaben für Medikamente im Januar
Tatsächlich gibt es nach der Ausgabenexplosion kurz vor der Reform seit Jahresbeginn Anzeichen für eine Trendumkehr. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände teilte mit, die Arzneimittelausgaben seien im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 30 Prozent oder 560 Millionen Euro gesunken. Der Verband räumte jedoch ein, die Januar-Zahlen seien nicht repräsentativ für das ganze Jahr, weil die Hamsterkäufe aus dem Dezember noch wirkten. Für das Gesamtjahr 2004 sei jedoch ein Rückgang von rund 15 Prozent, also von etwa vier Milliarden Euro, durchaus realistisch.
An eine spürbare Verringerung der Kassenbeiträge glauben die meisten Manager im Gesundheitswesen dennoch nicht. Dies ergab eine Forsa-Umfrage unter Managern aus Gesundheitswesen und Wirtschaft sowie 500 Versicherten, die unter anderem von der Versicherungswirtschaft in Auftrag gegeben wurde.
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