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22.03.2004
 

Interview mit Palm-Chef

"Der PDA ist nicht tot"

Was macht eigentlich Palm? Der Taschencomputer-Hersteller kämpft verbissen gegen Microsofts Konkurrenzprodukt Pocket PC und Handyhersteller wie Nokia. Mit SPIEGEL ONLINE sprach Vorstandschef Todd Bradley über die Zukunft des PDA und seinen Angriff auf den Smartphone-Markt.

Todd Bradley: "Der Absatz ist sehr gut"
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Todd Bradley: "Der Absatz ist sehr gut"

SPIEGEL ONLINE:

Herr Bradley, in den Neunzigern war der Name Palm ein Synonym für Taschencomputer, es gab kaum Konkurrenten. Heutzutage können die meisten Handys genauso gut Adressen und Termine verwalten wie ein Palm. Was wird da aus Ihnen?

Todd Bradley: Sicherlich gibt es inzwischen viel mehr Anbieter, aber letztlich läuft es doch immer auf die Frage heraus, wie einfach ein Personal Data Assistant (PDA) zu bedienen ist. Und wenn es darum geht, diese Produkte benutzerfreundlich zu gestalten, sind wir besser als die anderen. Zudem hatten wir bereits seit Längerem geplant, neben klassischen PDAs auch Smartphones …

SPIEGEL ONLINE: … also eine Kreuzung aus Handy und Taschencomputer …

Hoffnungsträger Treo: Das Gerät wurde ursprünglich von PalmOnes Konkurrenten Handspring entwickelt
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Hoffnungsträger Treo: Das Gerät wurde ursprünglich von PalmOnes Konkurrenten Handspring entwickelt

Bradley: … anzubieten. Durch den Kauf unseres Mitbewerbers Handspring haben wir diese Entwicklung beschleunigt und bieten mit dem Treo jetzt ein eigenes Smartphone an, das mit jedem Handy mehr als mithalten kann.

SPIEGEL ONLINE: Der noch von Handspring entwickelte Treo bekamt in allen Tests erstklassige Noten - dennoch hat er einen sehr kleinen Marktanteil, weil sich viele Mobilfunkanbieter zunächst nicht für das Gerät erwärmen konnten. Wie werden sie den Verkauf ankurbeln?

Bradley: Sie haben recht mit den Mobilfunkanbietern - wir haben uns in den vergangenen Monaten darauf konzentriert, die Zahl der Carrier zu vergrößern und Verträge mit Orange, T-Mobile in den USA sowie KPN abgeschlossen. Das wird uns helfen, noch mehr Treos zu verkaufen. Der Absatz ist sehr gut und wir werden Monat für Monat mehr Geräte produzieren, um die Nachfrage zu befriedigen.

SPIEGEL ONLINE: In Europa sieht es noch etwas dünn aus. Verhandeln Sie mit den großen europäischen Mobilfunkanbietern?

Bradley: Selbstverständlich. Details kann ich Ihnen nicht nennen. Aber Sie können davon ausgehen, dass weitere Deals mit Carriern in Europa folgen werden.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Kerngeschäft sind immer noch die klassischen PDAs. Ist das angesichts der Konkurrenz durch immer bessere Handys nicht ein sterbender Markt?

Bradley: Nein, Ich glaube nicht, dass der PDA tot ist. Mittelfristig wird es weiterhin viele Leute geben, die anstelle eines Smartphones lieber ein sehr kleines Handy und einen PDA mit einem großen Bildschirm bevorzugen. Natürlich wird dieser Markt nicht mehr so schnell wachsen wie der für Smartphones. Aber wenn sich der Funkinternet-Standard WiFi weiter ausbreitet, macht das Taschencomputer wieder interessanter. Wir halten am PDA fest. Sie können davon ausgehen, dass wir weiterhin im Frühling und im Herbst wie in der Vergangenheit neue PDA-Produkte auf den Markt bringen. Wir denken zudem, dass ein großer PDA-Markt uns hilft, auch bei Smartphones vorne mitzuspielen.

SPIEGEL ONLINE: Der Treo kostet 800 Euro und ist etwas für Unternehmensberater und Computer-Freaks - den Massenmarkt werden Sie damit wohl kaum erobern.

Bradley: Vergleichbare Konkurrenzprodukte sind auch nicht billiger. Außerdem ist dies nur das erste Gerät einer ganzen Treo-Produktfamilie. Schon unser Taschencomputer Zire hat bewiesen, dass es einen Massenmarkt für Datengeräte gibt - in den ersten sechs Monaten haben wir eine Million Stück verkauft.

SPIEGEL ONLINE: Also wird es ähnlich wie bei Ihren PDAs eine hochpreisige Hightech-Variante wie den Tungsten sowie ein Billigmodell à la Zire geben?

Bradley: Alles was ich derzeit sagen kann ist, dass es verschiedene Treos geben wird, darunter auch ein Gerät, das auf den Normalverbraucher zielt. Wo wir allerdings nicht mitspielen werden ist der Markt für Einsteigerhandys, die 99 Euro kosten. Wir konzentrieren uns auf Smartphones, die Sprach- und Datendienste in einem Gerät vereinigen,

SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie von Microsofts viel belächelter Smartphone-Initiative?

Todd Bradley: "Man muss immer aufpassen, was Nokia tut"
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Todd Bradley: "Man muss immer aufpassen, was Nokia tut"

Bradley: Man muss alles, was Microsoft tut, ernst nehmen. Bei der enormen Präsenz, die das Unternehmen bei Servern und im PC-Bereich hat, wäre es ein Fehler sie zu unterschätzen. Genauso wenig unterschätzen sollte man allerdings unsere Fähigkeit, erstklassige Produkte zu machen, die sehr einfach zu bedienen sind.

SPIEGEL ONLINE: In den vergangenen Jahren hat Ihnen Microsoft vor allem im Unternehmensbereich stark zugesetzt - viele Firmen bevorzugen inzwischen Redmonds Pocket PC. Wie werden Sie in diesem Bereich Boden gutmachen?

Bradley: Microsoft ist im Unternehmensbereich traditionell gut vertreten. Aber wir haben nach wie vor eine sehr starke Stellung bei professionellen Anwendern In den USA und in Europa gehören uns mehr als 50 Prozent dieses Marktsegments. Und der Treo ist ein weiteres Argument für Unternehmen, PalmOne-Produkten die Treue zu halten.

SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet UMTS für ihre Produkte?

Bradley: Für die Sprach- und Datendienste der Smartphones ist UMTS sehr wichtig. Wir haben uns sehr genau damit beschäftigt, was die höhere Datenübertragungsrate für Anwendungen und Funktionalitäten bedeutet. Sobald wir hier eine Vereinbarung mit einem der großen Mobilfunkanbieter haben, werden wir Näheres bekannt geben.

SPIEGEL ONLINE: Wer sind die ärgsten Konkurrenten des Treo?

Bradley: Research In Motion, der Hersteller des Email-Pagers Blackberry ist ein sehr wichtiger Wettbewerber. Auch das P900 von SonyEricsson ist zumindest in Europa ein sehr starkes Produkt. Und natürlich muss man immer aufpassen, was Nokia tut.

SPIEGEL ONLINE: Herr Bradley, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Das Interview führte Thomas Hillenbrand

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