Frankfurt am Main - Der Vorstand der Bundesbank nahm das Rücktrittsersuchen Weltekes an. "Der Vorstand hält diesen Schritt im Hinblick auf das Ansehen der Institution und die Wahrnehmung ihrer Aufgaben für angemessen", heißt es in der Erklärung der Bundesbank. Der Vorstand danke Welteke für die "vertrauensvolle Zusammenarbeit und die erfolgreiche Führung der Deutschen Bundesbank seit September 1999". Welteke habe auch Bundeskanzler Gerhard Schröder telefonisch über sein Rücktrittsersuchen informiert.
Welteke hatte sich zum Jahreswechsel 2001/2002 von der Dresdner Bank einen längeren Aufenthalt im Berliner Adlon-Hotel bezahlen lassen. Anlass war eine Feier zur Einführung des Euro-Bargeldes. Weil der ehemalige Bundesbankchef auch noch seine Frau, seinen Sohn und dessen Freundin auf Kosten der Bank logieren ließ, kam dabei eine Hotelrechung von über 7600 Euro zusammen.
Nachdem die peinliche Angelegenheit vor zwei Wochen bekannt geworden war, hatte Welteke zunächst keinerlei Bedauern gezeigt. Als dann der öffentliche Druck immer größer wurde, versuchte der Bundesbank-Chef dann auf Zeit zu spielen und ließ auf Anregung des Bundesbank-Vorstandes sein Amt ruhen. Bundesfinanzminister Eichel und mehrere Sprecher der Regierung meldeten sich dann aber täglich mit indirekten Rücktrittsforderungen zu Wort. Die Union vermutet dahinter eine Kampagne gegen Welteke und will dies vor dem Haushaltsausschuss und möglicherweise in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss klären lassen.
Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt hatte gegen Welteke ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Vorteilsannahme eingeleitet. Auch gegen Verantwortliche der Dresdner Bank ermittelt die Justiz.
Neue Vorwürfe: Besuch in Montecarlo
Unterdessen werden neue Vorwürfe gegen den zurückgetretenen Bundesbankpräsidenten laut. Welteke soll auch eine Einladung des Autoherstellers BMW zur Formel 1 nach Montecarlo angenommen haben. BMW hat die Einladung bestätigt. Da BMW wie andere Autofirmen auch eine Bank betreibe, falle dieser Teil des Unternehmens unter die Aufsicht der Bundesbank. Welteke habe dem Autorennen am 5. Juni 2003 in Begleitung seiner Frau auf der BMW-Terrasse beigewohnt. Den Flug nach Monaco habe Welteke selbst gebucht.
Koch-Weser und Tacke als Nachfolger im Gespräch
Nach dem Rücktritt von Welteke hat die Bundesbank jede Stellungnahme zum weiteren Vorgehen abgelehnt. Angaben über eine Nachfolgeregelung wurden nicht gemacht. Auch von der Bundesregierung war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Verwiesen wurde auf eine möglicherweise später anstehende Verlautbarung.
Beobachter rechnen damit, dass der Staatssekretär im Finanzministerium, Caio Koch-Weser, Nachfolger Weltekes werden könnte. Auch Wirtschaftsstaatsekretär Alfred Tacke werden Chancen eingeräumt. Jedoch gibt es in Berlin auch Signale, dass Bundesbankvizepräsident Jürgen Stark, der die Bundesbank derzeit kommissarisch leitet, noch im Rennen um die Nachfolge ist.
Der 61-jährige Welteke stand seit 1999 an der Spitze der Bundesbank und gehörte auch dem EZB-Rat an. Mit Welteke verliert erstmals in der Geschichte der 1958 gegründeten Bundesbank ein Präsident wegen Kritik an seinem Verhalten sein Amt. Der bisher einzige Rücktritt war der von Karl Otto Pöhl. Er hatte sich 1990 mit Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) überworfen, da er die deutsch-deutsche Währungsunion abgelehnt hatte.
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