Wirtschaft



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23.04.2004
 

"Heil"-Parolen

Britischer Verleger vergleicht Springer mit Nazis

Der britische Boulevardblatt-Verleger Richard Desmond kann es offenbar nicht verwinden, dass er im Wettbieten um die Zeitung "Daily Telegraph" den Kürzeren gezogen hat. Nach Medienberichten hat Desmond den deutschen Springer-Verlag in einer internen Sitzung heftig beschimpft.

Objekt der Begierde: Mit der Übernahme des "Daily Telegraph" will sich Springer als international führender Zeitungskonzern profilieren
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AP

Objekt der Begierde: Mit der Übernahme des "Daily Telegraph" will sich Springer als international führender Zeitungskonzern profilieren

London - Bei einem Treffen mit "Telegraph"-Direktoren soll der Herausgeber des "Daily Express" im Nazi-Stechschritt durchs Vorstandszimmer marschiert sein. Den "Telegraph"-CEO Jeremy Deedes habe Desmond als "erbärmliches Stück Scheiße" beschimpft und ihn mit einem starken deutschen Akzent gefragt, wie es ihm gefalle, bald von "Nazis" übernommen zu werden.

Als Deedes antwortete: "Das ist nicht sehr hilfreich", habe Desmond seine Begleiter aufgefordert, "Deutschland über alles" zu singen, berichtete der "Telegraph". Das Treffen sei dann abgebrochen worden. Die Ausfälle Desmonds seien von den "Telegraph"-Chefs mit "Entsetzen" aufgenommen worden.

Springer als Favorit

Springer hatte vor kurzem Verhandlungen über einen Kauf des "Telegraph" aufgenommen. Verlagschef Mathias Döpfner war dafür selbst nach London gereist. Der deutsche Verlag gilt im Bieterwettstreit um die Hollinger-Gruppe, zu der der "Telegraph" gehört, bisher als Favorit.

Desmond besitzt Anteile an der "Telegraph"-Druckerei. Er war mit einem eigenen Angebot für den "Telegraph" selbst aber gescheitert. Insidern zufolge sei das Angebot von bis zu 600 Millionen Pfund als zu niedrig bewertet worden. Desmond hat bis vor kurzem mehrere Porno-Magazine betrieben. Noch immer betreibt er einen TV-Kanal, der Sex-Filme ausstrahlt.

Kredit von der Commerzbank

Offiziell wollte der Springer-Verlag keine Stellungnahme abgeben. Es heißt aber, die Verlagsspitze habe entsetzt auf die Berichte reagiert. Die mögliche Übernahme der auflagenstärksten britischen Qualitätszeitung durch Deutsche gilt als sensibles Thema. Desmond ist aber der erste, der nationalistische Töne gegen den Expansionsplan der Deutschen anschlägt.

Die anti-deutschen Tiraden des exzentrischen, konservativen Zeitungschefs könnten nach Ansicht des "Telegraph" für Desmond unangenehme Folgen haben. Seine Übernahme des "Express" war unter anderem mit einem Commerzbank-Kredit von 140 Millionen Euro finanziert worden. Ein Sprecher der Bank nannte den Zwischenfall gegenüber dem "Telegraph" am Freitag "unglaublich bizarr".

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