Hamburg/New York - Der Appell an die Förderländer war eindringlich: Die OPEC solle sich ihrer Verantwortung für die Weltkonjunktur bewusst sein und für einen weiteren Aufschwung Sorge tragen, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.
Bereits am vergangenen Wochenende hatten Bundesfinanzminister Hans Eichel und seine Kollegen vom Washingtoner G7-Treffen der führenden Industrienationen den Ölpreis als zentrales Problem bezeichnet. Der Internationalen Währungsfonds (IWF) warnte, ein Anstieg des Barrelpreises um fünf Dollar koste weltweit etwa 0,3 Prozent Wachstum.
Für Großverbraucher unter den Industrienationen, die wie Deutschland auf Importe angewiesen sind, dürfte die Wachstumsdämpfung noch massiver ausfallen. Nicht zufällig tat sich Eichel als Vertreter des rohstoffarmen Deutschland als Mahner hervor. "Ein stabiler und nicht zu hoher Ölpreis ist notwendig", forderte er. Schließlich sollten die Ölproduzenten auch daran interessiert sein, dass die Weltwirtschaft gut laufe.
40 Dollar pro Barrel sind möglich
Am Vortag hatte der Ölpreis seinen Anstieg unvermindert fortgesetzt. Ein Barrel Öl (159 Liter) der OPEC-Länder kostete im Schnitt 33,32 Dollar, fast 50 US-Cent mehr als am Montag, wie die OPEC in Wien mitteilte. Die OPEC strebt offiziell eine Preisspanne von 22 bis 28 Euro an.
Für das höherwertige Brent-Nordseeöl liegt der Preis inzwischen sogar über 34 Dollar, der für US-Sorten über 37 Dollar. Ein deutscher Regierungsexperte warnte, es drohe noch Schlimmeres. "Das kann ganz schnell auf 40 Dollar und mehr hochgehen."
In der Folge hatten Ölkonzerne am Montag unter Führung von Shell die Spritpreise um bis zu vier Cent pro Liter angehoben, so dass Superbenzin teilweise über den bisherigen Rekord von 1,16 Euro geklettert war. Super ist die meistverkaufte Spritsorte in Deutschland. Esso nannte als Durchschnittspreis für Super am Dienstag 1,161 Euro bundesweit.
Ein starker Dollar treibt die Preise
Hohe Ölpreise sind - wenn man die noch viel existenzieller bedrohten armen Länder einmal außen vor lässt - besonders für die Öl importierenden europäischen Industrieländer eine Gefahr. Misslich für die Europäer ist dabei, dass der steigende Ölpreis inzwischen mit einem Kursrückgang des Euro einhergeht. So lange die US-Währung schwach war, schlug der in Dollar berechnete Ölpreis nicht so stark durch. Nun aber fällt dieser Dämpfungseffekt wegen des wieder stärker gewordenen Dollar weg.
Eichel und seine Kollegen wissen aber auch: Nicht nur die Ölproduzenten sind für den Preisanstieg verantwortlich. Es sind auch die Nachfrager. Der weltweite Aufschwung steigert den Bedarf nach Öl, und vor allem Chinas boomende Wirtschaft ist ein besonders kräftiger Nachfrager. Gleichzeitig stocken die USA und andere Länder ihre Ölreserven auf, um sich gegen geopolitische Gefahren im Nahen Osten zu wappnen.
Ein leicht gestiegener Euro brachte am Mittwoch allerdings etwas Entlastung für den deutschen Benzinmarkt. Nach Angaben des ADAC lieg der Durchschnittspreis für Super zurzeit bei 1,151. Diesel kostete demnach 93,1. Allerdings fallen die Preise von Region zu Region recht unterschiedlich aus.
Nur wenige Autofahrer verzichten auf Fahrten
Die Mehrheit der deutschen Autofahrer lässt sich unterdessen von den hohen Benzinpreisen nicht abschrecken: 57 Prozent sagten in einer Umfrage, sie würden nicht weniger fahren. 42 verzichten dagegen auf Fahrten, sagten sie in einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Wirtschaftswoche".
Doch nicht nur die von steigenden Benzinpreisen gebeutelten Autofahrer in Europa können ein Lied von der Verteuerung des Öls singen. Zu Wochenbeginn gab die Lufthansa Cargo - Weltmarkführer der Luftfrachtbranche - bekannt, den Treibstoffzuschlag auf die höchste Stufe zu setzen. Je Kilogramm Frachtgewicht sollen streckenunabhängig 20 statt bislang 15 Cent verlangt werden. Zudem behalte man sich noch höhere Zuschläge vor. Das hat zur Folge, dass sich die Ausfuhren des Exportweltmeisters Deutschland auch auf dem Luftweg verteuern - auf der Straße greift schon der höhere Benzinpreis.
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