Hamburg - Stephan Jender, Präsident des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU), befürchtet, dass die Zahl der Verbraucherpleiten in diesem Jahr mit rund 40.000 erstmals die der Firmenzusammenbrüche übersteigen wird. Das wichtigste Alarmsignal sei aber die zunehmende Verschuldung junger Menschen: "Zwölf Prozent der 13- bis 24-Jährigen haben Schulden - durchschnittlich 1800 Euro. Meist leihen sie sich ihr Geld bei Eltern, Freunden und Verwandten, mit zunehmendem Alter dann auch bei Banken und Kreditgebern", sagte Jender. Das sei angesichts ihres Einkommens eine sehr hohe Summe.
Häufigste Ursache dafür sei der sorglose Umgang mit dem Handy. Nach Angaben von Verbandssprecherin Marion Kremer, müssten in diesem Zusammenhang auch die Eltern in die Pflicht genommen werden, Kinder genau über die Kosten zu informieren. "Es muss klar sein: Das Handy ist kein Spielzeug."
Die Zahl der Unternehmenspleiten wird nach Einschätzung des Inkasso-Experten dagegen erstmals seit 1999 wieder sinken und zwar um rund vier Prozent auf 37.800. Trotzdem biete dies keinen Anlass zur Entwarnung. Ob der Rückgang auch im nächsten Jahr anhalte, hänge von der Entwicklung der Konjunktur ab. Darüber hinaus halte die Liquiditätskrise der deutschen Unternehmen an. Grund sei die immer schlechtere Zahlungsmoral gewerblicher und privater Schuldner. 55 Prozent der 495 im BDIU zusammengeschlossenen Inkasso-Unternehmen erklärten in einer verbandsinternen Umfrage, dass private Schuldner heute schlechter zahlten als noch vor sechs Monaten. 74 Prozent halten vor allem die Baubranche für besonders problematisch beim Zahlungsverhalten.
Doch auch die öffentliche Hand kommt nicht gut weg: Fast jedes sechste Inkasso-Unternehmen finde das Zahlungsverhalten des öffentlichen Sektors besonders problematisch. Grund sei, dass viele Gemeinden in Deutschland selbst vor dem finanziellen Kollaps stünden und deshalb Zahlungen so weit wie möglich herauszögerten. "Es darf nicht sein, dass Handwerker und Baubeschäftigte um ihren Job und ihre wirtschaftliche Existenz bangen müssen, weil Städte und Gemeinden fällige Rechnungen zu spät bezahlen", betonte Jender.
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