Wirtschaft



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15.06.2004
 

Verschwendung im Irak

"Laufen Sie herum, tun Sie beschäftigt!"

Der amerikanischen Firma Halliburton wird vom US-Verteidigungsministerium vorgeworfen, im Irak Steuergelder verschleudert zu haben. Nun wird das Unternehmen, dem Vizepräsident Dick Cheney einst vorstand, auch von Ex-Mitarbeitern belastet - mit höchst peinlichen Details.

Lkw-Kolonne im Irak: "Ölwechsel werden hier nicht gemacht"
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AP

Lkw-Kolonne im Irak: "Ölwechsel werden hier nicht gemacht"

Washington - Bei Halliburton sei Geld routinemäßig verschwendet worden, heißt es in den unterschriebenen Statements von fünf ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens. Danach habe eine Wäscherei rund 100 Dollar pro 15-Pfund-Sack (knapp 7 Kilo) bekommen, für Limonade-Kästen sollen 45 Dollar bezahlt worden sein. Außerdem seien Lkw im Wert von je 85.000 Dollar zu Dutzenden stehen gelassen worden, obwohl nur ein Reifenwechsel nötig gewesen wäre, um sie wieder flott zu machen.

  • Mike West, Vorarbeiter, wurde für ein Jahressalär von 82.000 Dollar eingestellt und saß im Irak die meiste Zeit ohne Arbeit herum: "Als ich zum Camp Anaconda kam, zusammen mit 15 bis 20 anderen Halliburton-Mitarbeitern, hatte die Firma keinen Plan, wie sie uns Arbeit geben sollten. Von den 35 Mitarbeitern hatte nur eine Handvoll etwas zu tun. Auf die besorgte Nachfrage wegen der Bezahlung, sagte der Personalmanager: 'Keine Sorge. Schreiben Sie zwölf Stunden auf, gehen Sie herum, schauen Sie herum, tun Sie beschäftigt.'"


  • David Wilson, Konvoi-Kommandant, wunderte sich über den nachlässigen Umgang mit den Lkw: "Es gab überhaupt keine Möglichkeit, die Fahrzeuge zu warten. Es schien als ginge es nur darum, die Lkw zu kaufen, Fahrer anzuheuern und den Rest dem Schicksal zu überlassen. Es gab nirgendwo Ölfilter oder Benzinfilter. Nach mehrmaligem Nachfragen wurde mir gesagt. 'Ölwechsel werden hier nicht gemacht.'"


  • Henry Bunting, Einkäufer, gab seinen Job schon nach 15 Monaten wieder auf, weil er nach eigenen Angaben die dauernde Verschwendung nicht ertrug: "Ein Beispiel waren Handtücher. Der Halliburton-Manager der Abteilung MWR (Moral, Wohlbefinden und Erholung) forderte Handtücher, die mit den Buchstaben MWR oder KBR verziert waren. Die bestickten Handtücher kosteten das Dreifache eines normalen Handtuches, doch der Manager bestand darauf."


  • Marie de Young, Projektmanagerin, beschreibt die Beschaffung von Erfrischungsgetränken: "Im August 2003 schloss Halliburton einen Vertrag mit dem kuweitischen Unternehmen La Nouvelle. Dabei ging es um die Lieferung von Eis und Getränkedosen und die Bereitstellung einer kleinen Bar. La Nouvelle berechnete uns 37.200 Paletten (zu je 30 Dosen) zu je 1,50 Dollar. Geliefert wurden allerdings nur 37.200 Dosen kein Eis und keine Bar."


  • James Warren, Lkw-Fahrer, empört sich über einen liegen gebliebenen Lkw: "In einem Konvoi hatte einer der Lkws einen Platten. Weil wir keine Ersatzreifen hatten, mussten wir den Lkw am Straßenrand zurücklassen. Als jemand, der seit dreizehn Jahren Lastwagen fährt, kann ich nicht verstehen, warum man einen brandneuen Lkw stehenlässt, nur weil ein Reifen nicht in Ordnung ist."

Die Statements wurden vom Abgeordneten Henry Waxman auf dessen Internetseite veröffentlicht. Waxman vertritt für die Demokraten den Wahlbezirk Los Angeles und bemüht sich seit Monaten, der US-Regierung unsaubere Machenschaften beim Wiederaufbau des Irak nachzuweisen. In einem Brief schreibt er, dass die bisherigen Erkenntnisse über Halliburton "die Auftragsvergabe eines Unternehmens zeigen, das zum Amokläufer geworden ist".

Waxmann konnte bisher allerdings nicht durchsetzen, dass die ehemaligen Halliburton-Mitarbeiter vor einem Parlaments-Untersuchungsausschuss auftreten dürfen. Nach Ansicht der Republikaner muss vor einer Befragung noch die Glaubwürdigkeit der Mitarbeiter überprüft werden. Die Parteifreunde Cheney bestreiten auch weiterhin vehement, dass dieser als Vizepräsident seinen Einfluss genutzt haben könnte, um Halliburton lukrativen Staatsaufträge zuzuschanzen. Cheney ist immer noch Aktionär von Halliburton und bezog 2003 einen Großteil seines Einkommens aus dem gewinnbringenden Verkauf von Firmenanteilen.

In Untersuchungsberichten des Pentagon sind bisher ähnlich unangenehme Tatsachen über die Geschäftspraktiken von Halliburton und der Tochterfirma Kellog, Brown and Root (KBR) ans Licht gekommen. Dabei sollen die Unternehmen etwa 27 Millionen Dollar zuviel für die Verköstigung von Soldaten berechnet haben, für die Beschaffung von Benzin sollen sogar etwa 61 Millionen Dollar verschwendet worden sein. In dem letzten Prüfbericht werden der Firma schwere Versäumnisse im Umgang mit Lieferanten vorgeworfen. Bei vielen Aufträge an Dritte, so das Ministerium, habe Halliburton überhaupt nicht nachgeprüft, ob die bezahlte Leistung überhaupt erbracht wurde.

Carsten Matthäus

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