Von Julia Maria Bönisch
Hamburg - Sie heißen Lack, Kodal oder Vagö, und kaum ein Heim kommt ohne sie aus: Ikea-Möbel. Erst die deutsche Einrichtungswut hat das schwedische Unternehmen zu seiner Größe verholfen: Ikea erwirtschaftet hier rund 20 Prozent seines Gesamtumsatzes, so viel wie in keinem anderen Land. Das heißt aber nicht, dass Ikea in Deutschland besonders preiswert wäre.
Schaut man sich die Kataloge aus Österreich, Holland oder Tschechien genauer an, dann kommen krasse Unterschiede ans Licht - im Preis, nicht im Design. So kostet der handgeknüpfte Teppich "Listed" in einem Kölner Möbelhaus 299 Euro, in Amsterdam muss der Kunde für das gleiche Stück aber nur 249 Euro zahlen.
Das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) hat jetzt in einem systematischen Ikea-Preisvergleich die billigste Möbel-Nation ermittelt: Aus 17 europäischen Katalogen haben die Verbraucherschützer einen Warenkorb zusammengestellt. Darin sind zehn Produkte, die in allen Ländern angeboten werden: Das Zweisitzer-Sofa "Klippan", der Klassiker unter den Couchgarnituren, ist darin genauso enthalten wie die Deckenleuchte "Steneby".
| Ikea-Preisvergleich | |
| Land | Warenkorb-Preis* |
| Griechenland | 999 |
| Norwegen | 936,81 |
| Finnland | 928,70 |
| Slowakei | 900,91 |
| Spanien | 892,75 |
| Schweden | 882,79 |
| Großbritannien | 873,85 |
| Dänemark | 871,06 |
| Belgien | 868,84 |
| Italien | 856,60 |
| Frankreich | 841,65 |
| Deutschland | 835,60 |
| Österreich | 823,59 |
| Ungarn | 815,74 |
| Tschechien | 804,24 |
| Niederlande | 803,60 |
| Polen | 720,98 |
| * in Euro, Quelle: Europäisches Verbraucherzentrum | |
Die Verbraucherschützer können Ikea-Tourismus trotzdem nicht immer empfehlen: In einem Land sei nicht eine bestimmte Warengruppe - in dem Fall eben Ikea-Möbel - billiger, sondern stets nur einzelne Produkte. So zahlt man im Möbel-Wunderland Polen zwar generell wenig, das Deko-Poster "Norrsund" ist aber in Holland günstiger.
Ikea-Kunden wundern sich trotzdem, warum der gleiche Teppich im Nachbarland ganze 50 Euro günstiger zu haben ist. Ikea erklärt das Phänomen mit dem einfachen Grundsatz: andere Länder, andere Sitten. "Die Tatsache, dass wir in vielen europäischen Ländern die gleiche Währung haben, heißt nicht automatisch, dass unsere Produkte auch gleich viel kosten", sagt Ikea-Sprecherin Sabine Nold. "Die Lohn- und Kostenstrukturen unterscheiden sich eben doch."
Dass sich Kunden die Kataloge aus den Nachbarländern für den Preisvergleich ins Haus bestellen, sei nicht möglich. Dafür seien die Vertriebskosten zu hoch, so Nold. Für Menschen in Grenzregionen - für die Ikea-Tourismus also leicht machbar ist - empfiehlt sie aber die Homepage des Unternehmens: Dort sind die Preise aller Ikea-Standorte jederzeit abrufbar.
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