Wirtschaft



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06.07.2004
 

Verlängerung der Arbeitszeit

Das 50-Stunden-Phantom

Mit großem Eifer haben sich Gewerkschafter, Politiker und auch einige Wirtschaftsexperten gegen die Ausdehnung der Wochenarbeitszeit auf 50 Stunden gewandt. Der Aufschrei entpuppt sich jedoch als gewolltes Missverständnis. Die Diskussion um die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist damit keinen Schritt weiter.

DIW-Chef Zimmermann: Flexible Regelungen gefordert
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DDP

DIW-Chef Zimmermann: Flexible Regelungen gefordert

Berlin - Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hatte mit der Bemerkung, zur Sicherung von Jobs "müsse auch mal 50 Stunden pro Woche" gearbeitet werden, die Diskussion losgetreten. Damit habe er aber nicht für eine generelle Einführung der 50-Stunden-Woche plädiert, stellte Zimmermann am Dienstag in Berlin klar. Es gehe vielmehr um Vereinbarungen, die der sehr unterschiedlichen Lage in einzelnen Betrieben und Branchen Rechnung trügen. Er könne sich dazu einen breiteren Korridor bei der Wochenarbeitszeit vorstellen, in dessen Mitte "vielleicht die 40-Stunden-Woche" stehe, der aber von 30 bis 50 Stunden reichen könnte.

DIW-Arbeitsmarktexperte Klaus Brenke sekundierte. Arbeitnehmer arbeiteten ohnehin bereits im Durchschnitt zwischen 42,3 und 42,8 Stunden pro Woche - also 3,9 bis 4,4 Stunden über die durchschnittlich vereinbarte Tarifarbeitszeit hinaus. Die Diskussion über längere Arbeitszeiten habe also wahrscheinlich wesentlich geringere Auswirkungen im praktischen Leben als in den Köpfen der Kontrahenten.

Die Gegner jeder Form von Arbeitszeitausweitung ließen sich von solchen Beschwichtigungen nicht beirren und polterten drauflos. IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel sprach von einem "abstrusen Vorschlag". Wiesehügel konterte im Bayerischen Rundfunk, eine Ausweitung der Arbeitszeit - zumal in der erwähnten Höhe - schaffe Millionen von Arbeitslosen. Die Diskussion ziele auf unbezahlte Überstunden ab, was einen Kaufkraftverlust bei den Arbeitnehmern bedeute.

Die IG Metall in Baden-Württemberg nutzte die Gunst der Stunde, um gegen die "Lex-Siemens" zu stänkern. Der Kompromiss, der die Ausweitung der Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche einschließt, um die Arbeitsplätze in zwei Werken zu sichern, war der Gewerkschaft von Anfang an ein Dorn im Auge. Für die IG Metall der Region bleibe eine Verlängerung der Arbeitszeit "ein Weg in die falsche Richtung", sagte Bezirksleiter Jörg Hofmann in Karlsruhe.

Überarbeitete Frau: Weg in die falsche Richtung?
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DPA

Überarbeitete Frau: Weg in die falsche Richtung?

Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel hält schon die Debatte um längere Arbeitszeiten für falsch. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es dann doch zum Abbau von Arbeitsplätzen komme, sagte Hickel im Sender MDR info. Jobverluste seien vor allem eine Folge von geringer Nachfrage in der Binnenwirtschaft. Es gebe durch längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich aber nicht mehr Nachfrage.

Auch Bundeswirtschaftminister Wolfgang Clement griff in die Debatte ein. Er plädierte für flexible Vereinbarungen, die am konkreten Bedarf des jeweiligen Unternehmens orientiert seien. Pauschale Regeln seien jedenfalls nicht sinnvoll.

Auf der anderen Seite nutzte auch das Arbeitgeberlager die Diskussion zur eigenen Standortbestimmung. Zwar sei die Idee einer 50-Stunden-Woche "kontraproduktiv", denn sie trügen nur zur Verunsicherung der Beschäftigten bei.

Gleichwohl sei man der Auffassung, dass in den Betrieben länger gearbeitet werden müsse, um die Produktivität zu erhöhen, sagte Thomas Mayer, Chef des Bundesverbandes Druck und Medien. Im neuen Manteltarifvertrag für die Branche wollten die Arbeitgeber festschreiben, dass der wöchentliche Arbeitszeitkorridor auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich erhöht und der Samstag zum Regelarbeitstag werde, sagte Mayer.

Gerhard Handke vom Bundesverband Deutscher Groß- und Außenhandel erneuerte im ZDF die Forderung nach einem Verzicht auf eine Woche Urlaub pro Jahr. Es gehe um die bessere internationale Wettbewerbsfähigkeit der Arbeitsplätze in Deutschland.

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