Airbus-Werk Finkenwerder: Startbahn zu kurz für beladene Riesenjets
Hamburg - Das Gericht entschied damit zu Gunsten von zehn Antragstellern, denen wegen des Landebahn-Ausbaus um 589 Meter die Enteignung ihrer Grundstücke drohte. Damit wurde ein Baustopp bestätigt, den das Verwaltungsgericht Hamburg bereits im Juni verhängt hatte.
Die für eine Verlängerung sprechenden Gründe und die Rechte der Grundeigentümer seien fehlerhaft gegeneinander abgewogen worden, hieß es in der Begründung. Nach Ansicht der Richter hätte besser begründet werden müssen, warum das Vorhaben dem Wohl der Allgemeinheit dient. "Andernfalls wäre es einem Großunternehmen mit der bloßen Erklärung, dass es andernfalls Arbeitsplätze abbauen müsse oder den Standort durch Wegzug aufgebe, möglich, eine Betriebserweiterung mit Hilfe einer Enteignung benachbarter Grundeigentümer durchzusetzen", gab das Gericht zu bedenken.
Airbus hatte die Verlängerung beantragt, damit die Frachtversion des Großraum-Jets A380 auf dem Werksflughafen starten und landen kann. Zur Endabnahme dieser Maschinen sind Flüge im beladenen Zustand nötig, für die eine längere Rollbahn notwendig wäre. Ohne Fracht können die Flugzeuge allerdings schon auf dem vorhandenen Flugfeld in Hamburg starten und landen. Dem Oberverwaltungsgericht zufolge steht dem Unternehmen für Abnahme-Flüge außerdem das Werksgelände in Toulouse zur Verfügung.
Mit dem Urteil wurde allerdings nur ein vorläufiger Baustopp verhängt. Die endgültige Entscheidung über das Bauvorhaben kann sich aber noch über Jahre hinziehen. Airbus nahm zu den heutigen Urteil zunächst nicht Stellung. In früheren Erklärungen hatte das Unternehmen jedoch betont, dass die Bauarbeiten zur Verlängerung der Startbahn nur in diesem Jahr möglich seien und ohne die Startbahnverlängerung kein Auslieferungszentrum für die Frachtversion gebaut werde. Eine endgültige Negativ-Entscheidung werde äußerst nachteilige Folgen für die Luftfahrt in Hamburg und in Deutschland haben, hatte Airbus-Chef Gerhard Puttfarcken gesagt.
Für den Bau des A380 hat Airbus 2000 neu Arbeitsplätze in
Hamburg in Aussicht gestellt. Weitere 2000 Stellen sollen bei Zulieferbetrieben in der Region entstehen. Airbus gehört zu 80 Prozent dem deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS
und zu 20 Prozent dem britischen Unternehmen BAE Systems
. Der A380 ist das größte Flugzeug der Welt. Es wird teilweise in Hamburg montiert, lackiert, ausgestattet und ausgeliefert. Bislang liegen für das Großraumflugzeug 129 Bestellungen vor, darunter 17 für die Frachtversion.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH