Von Kai Lange und Jörn Sucher
Hamburg - An Namen wie Apax, Permira, Blackstone und KKR werden sich die Deutschen gewöhnen müssen. Private-Equity-Gesellschaften, auf Unternehmensbeteiligungen spezialisiert, haben tiefe Taschen und großen Einfluss: In Großbritannien kontrollieren sie bereits rund drei Millionen Arbeitsplätze. Auch in Deutschland begeben sich immer mehr Unternehmen - mal mehr, mal weniger freiwillig - in die Hände der Firmenjäger.
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Der Turbinenhersteller MTU und die Werkstattkette Auto-Teile-Unger - fest in Händen des US-Investors Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Der Bezahlsender Premiere - aus den Kirch-Ruinen aufgelesen von der britischen Permira. Die Kieler Traditionswerft HDW - geschluckt und umgebaut von One Equity Partners. Der Chemiekonzern Celanese, Spin-off des einst mächtigen Hoechst-Konzerns - die US-Gesellschaft Blackstone griff zu und organisiert nun den bislang größten Börsenrückzug Deutschlands. Kaufen, umstrukturieren und teurer wieder verkaufen - das ist ihr Geschäft.
Bei vielen willkommen, aber noch lange nicht satt
Bei vielen Unternehmen rennen die Firmenjäger inzwischen offene Türen ein. Konzerne wie Siemens
, E.ON
oder die Deutsche Bahn sind mit den ausländischen Investoren seit Jahren bestens im Geschäft. Die Konzernstrategen pflegen den Rückzug auf das Wesentliche und geben deshalb zahlreiche Randsparten an Private-Equity-Gesellschaften ab.
Doch deren Appetit ist damit nicht gestillt. Derzeit sind der Rüstungskonzern Rheinmetall
, die von der Commerzbank verschmähte BHF-Bank sowie das WestLB-Paket am Touristikkonzern Tui
im Visier der Investoren.
"Deutschland ist in einem schwierigen Veränderungsprozess, und Veränderungen sind unser Geschäft", sagt Max Burger-Calderon, Partner bei der Beteiligungsgesellschaft Apax Partners. Die Osterweiterung der EU sowie der globale Wettbewerb zwingen deutsche Unternehmen zum Umsteuern. Dabei könne Apax helfen: Mit Geld, Knowhow und der Überzeugung, dass sich die Investition nach einigen Jahren durch einen höheren Unternehmenswert auszahlt.
Deutschland baut um - Investoren mischen mit
Reichlich Anlagekapital haben sie alle. Überwiegend angelsächsische Pensionsfonds und Versicherungen stecken Milliarden in Private-Equity-Fonds, weil sie Alternativen zur Börse brauchen, um ihre Zielrenditen zu erreichen. Das Geschäft mit außerbörslichen Beteiligungen ist riskant aber einträglich: Renditen zwischen 10 und 20 Prozent pro Jahr werden erwartet.
Bis zum Jahr 2000 wurde viel Geld mit Wagniskapital (Venture Capital) für junge Technologieunternehmen verbrannt. Nun dominieren die Buy-out-Fonds die Private-Equity-Szene: Buy-out-Fonds haben sich auf das Herauskaufen einzelner Unternehmensteile spezialisiert, um diese zu restrukturieren, profitabler zu machen und anschließend mit sattem Gewinn wieder zu verkaufen. Die Konkurrenz unter den Aufkäufern nimmt zu - mit Folgen für den deutschen Markt.
Deutschland habe beim Thema Beteiligungskapital Nachholbedarf, heißt es. In der größten Volkswirtschaft der EU liegen die Investitionen der Firmenkäufer mit 0,5 Prozent des BIP deutlich unter dem europäischen Durchschnitt (0,75 Prozent). In Europa haben Beteiligungsfonds im vergangenen Jahr knapp 25 Milliarden Euro investiert. In den kommenden vier Jahren dürften es laut einer Studie mehr als 120 Milliarden Euro sein.
Image verbessert - Topmanager auf der Gehaltsliste
Neue Beteiligungsgesellschaften drängen auf den deutschen Markt. Allein mit Geld kann sich niemand mehr die Konkurrenz vom Leibe halten - der europäische Marktführer Permira weist zwar mehr als fünf Milliarden Euro Eigenkapital aus, doch auch die Angreifer aus Übersee wie KKR oder Blackstone haben einen langen Atem.
Umso wichtiger sind gute Drähte. Viele ehemalige deutsche Topmanager haben bei den Beteiligungsgesellschaften einen lukrativen neuen Arbeitsplatz gefunden: Der ehemalige Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff wechselte zu Investcorp, Ex-Thyssen-Chef Dieter Vogel beobachtet für die US-Gesellschaft Bessemer den Markt, und der bei Mannesmann abgefundene Klaus Esser fand in General Atlantic Partners einen neuen Arbeitgeber.
Das Image der Firmenjäger hat sich entsprechend der zunehmenden Bedeutung verbessert. Es gibt nicht nur die "Raider", die angeschlagene Unternehmen entern, filetieren, Mitarbeiter feuern und nach kurzer Zeit Kasse machen. "Blackstone kauft gerne Firmen, die gut dastehen und durch unseren Beitrag neue Perspektiven bekommen", sagt Hanns Ostmeier, Geschäftsführer der US-Gesellschaft Blackstone in Deutschland. Eine Verbesserung des Geschäftes sei beste Voraussetzung, um eine Unternehmensbeteiligung nach einigen Jahren wieder teurer zu verkaufen: Investoren erwarten, dass ein Private-Equity-Fonds in jedem Fall die Entwicklung an den Aktienmärkten übertrifft.
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