Wirtschaft


  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Jagdrevier für Raider Wie Firmenjäger die Deutschland AG aufmischen

2. Teil: Pflegen, umkrempeln oder zerschlagen - mit welchen Strategien die Firmenjäger arbeiten

Umkrempeln oder zerschlagen - die Strategien der Jäger

Derlei Renditen sind nicht nur durch Hege und Pflege eines Unternehmens, sondern auch durch Zerschlagung oder rigide Sparmaßnahmen zu erreichen. "Beteiligungsfirmen haben unterschiedliche Schwerpunkte und können unterschiedliche Strategien fahren", räumt Ostmeier ein. Doch es spreche für die Professionalisierung der Private-Equity-Szene, dass für jedes Szenario - sei es Sanierung, Internationalisierung, Fusion, Aufteilung oder Zerschlagung - ein erfahrener Investor zur Verfügung stehe.

Aufkaufen statt Aktien handeln: Für viele Investoren ist Private Equity interessanter als die Börse
DDP

Aufkaufen statt Aktien handeln: Für viele Investoren ist Private Equity interessanter als die Börse

"Wir müssen selbst etwas dafür tun, dass der Wert steigt", betont Ostmeier. Wer nur auf bessere Zeiten spekulieren wolle, könne gleich im Public-Equity-Bereich, sprich Aktienmarkt, sein Glück versuchen. Für viele Investoren ist Private Equity aber derzeit der interessantere Markt, vor allem in Deutschland.

"Es gibt viel Bewegung im deutschen Eigentumsgeschäft. Banken, die öffentliche Hand und Großkonzerne trennen sich von Beteiligungen. Das eröffnet Private-Equity-Gesellschaften hervorragende Möglichkeiten", sagt Matthias Moser, Deutschland-Chef der US-Gesellschaft Fortress. Der Druck zur Veränderung unter deutschen Unternehmen ist groß. Der globale Wettbewerb lässt sich mit den überholten Strukturen in Deutschland nicht meistern. Dies spielt den Beteiligungsgesellschaften zu, die sich gern als "Motoren des Wandels" sehen.

Der Mittelstand ist unter Zugzwang

"Galt früher das Konglomerat als Schlüssel zum Erfolg, ist nun der Rückzug aufs Kerngeschäft das Ziel", sagt Max Mäuser, Partner bei der britischen Permira Holding. Nicht nur die wechselnden Strategien der Konzerne begünstigen das Private-Equity-Geschäft, sondern auch die wachsenden Nöte des Mittelstands: "Viele mittelständische Unternehmen, bei denen sich die Nachfolgefrage stellt oder die vor schwierigen Finanzierungsrunden stehen, haben Private Equity als Lösung gefunden", berichtet Mäuser.

Viele Mittelständler leiden unter verschärften Kreditvorschriften (Basel II), brauchen Geld für Investitionen und sind zu klein, um den Kapitalmarkt in Form einer Anleihe anzuzapfen. Als dritter Faktor kommen die nervösen Börsen und der Trend zum "Public goes Private" hinzu: "Unternehmen, die sich an der Börse unterbewertet sehen, nutzen Private Equity, um die Kapitalmärkte zu verlassen", so der Permira-Partner.

Aufkaufen auf Pump - Hebel mit Fremdkapital

Günstig für die Beteiligungsunternehmen sind außerdem die niedrigen Zinsen, da sie ihre Käufe zum Großteil über Fremdkapital finanzieren. Leveraged Buy-out lautet diese Strategie. Umso größer die Wut bei den Betroffenen, wenn ein Firmenkäufer in die Kasse des Unternehmens greift, um seine Schulden bei den Banken zu bedienen. So lange die Eigenkapitalrendite des Unternehmens deutlich höher ist als der Zinssatz der Gläubigerbanken, sind Gewinne beim Firmenkäufer garantiert.

Private Equity funktioniert nicht ohne Risiko: Der Kauf der Bundesdruckerei war für die Beteiligungsgesellschaft Apax ein teurer Fehlgriff
DPA

Private Equity funktioniert nicht ohne Risiko: Der Kauf der Bundesdruckerei war für die Beteiligungsgesellschaft Apax ein teurer Fehlgriff

"Dieser Hebel funktioniert aber auch in die andere Richtung", warnt Ostmeier. Geht die Firma Pleite, hat die Beteiligungsgesellschaft nicht nur eigenes Geld in den Sand gesetzt, sondern muss auch die Schulden bei den Banken bedienen.

Dass Private Equity auch mit "Risikokapital" übersetzt werden kann, beweist der Fall Bundesdruckerei: Die Beteiligungsgesellschaft Apax kaufte die Berliner Anstalt im Jahr 2001 für eine Milliarde Euro und schlug sie zwei Jahre später für einen Euro wieder los. "Vor Pleiten ist niemand geschützt, Misserfolge gehören dazu. Man braucht schon ein paar hervorragende Renditebringer, um dies auszugleichen und die Erwartungen der Investoren auf Dauer zu erfüllen", sagt ein Branchenkenner.

Nervöse Börse: "Secondary Buyouts" nehmen zu

Die nervöse Situation an der Börse treibt den Private-Equity-Unternehmen zwar Unternehmen als Kunden zu. Andererseits erschweren schwache Börsen den Firmenjägern auch ihre Ausstiegsmöglichkeit: Als Königsweg für einen lukrativen "Exit" gilt nach wie vor der Börsengang. Doch wer etwas teuer verkaufen will, muss am Finanzmarkt genug Käufer finden.

Kenner der Branche registrieren mit Unbehagen, dass die Zahl der "Secondary Buy-outs" zunimmt: Statt die Autowerkstattkette Auto-Teile-Unger wie geplant an die Börse zu bringen, schob die Beteiligungsgesellschaft Doughty Hanson ihren Anteil einfach an die große Schwester Kohlberg Kravis Roberts weiter. Nun wartet KKR auf besseres Börsenklima und hofft auf einen ATU-Börsengang in drei bis fünf Jahren.

Beobachter warnen daher davor, angesichts einer steigenden Zahl von Deals gleich den nächsten Private-Equity-Boom in Deutschland auszurufen. "Das Geschäft wächst organisch und solide, und das ist gut so", sagt Blackstone-Manager Ostmeier. "Wir brauchen keinen Boom wie am Neuen Markt - schließlich geht es um sehr viel Geld."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP