Wirtschaft


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27.08.2004
 

Trotz Wirtschaftswachstum

Zahl der Armen in den USA steigt um 1,3 Millionen

Obwohl die letzte Rezession offiziell schon im Herbst 2001 endete, ist die Zahl der armen Menschen in den Vereinigten Staaten erneut gewachsen. Bei Kindern ist die Verarmung besonders dramatisch. John Kerry und George W. Bushs Wahlkampfteam mühen sich, die Daten in ihrem Sinne zu deuten.

Washington - In einem offiziellen Bericht teilte die US-Zensusbehörde mit, die Zahl der Armen in den USA sei 2003 auf 35,9 Millionen gestiegen. Damit gelten 12,5 Prozent der US-Bevölkerung als arm - ein Anstieg um 0,4 Prozentpunkte gegenüber 2003. Es war der dritte Anstieg in drei Jahren.

Schülerinnen in Uniontown, Alabama: 11,4 Prozent der Kinder ohne Schutz durch Krankenversicherung
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AP

Schülerinnen in Uniontown, Alabama: 11,4 Prozent der Kinder ohne Schutz durch Krankenversicherung

Die Definition von Armut, die die Behörde benutzt, hängt von der Größe der jeweils untersuchten Privathaushalte ab. Eine Familie mit zwei Kindern gilt als arm, wenn sie weniger als 18.810 Dollar im Jahr zur Verfügung hat. Bei einem Paar liegt die Schwelle bei 12.015 Dollar jährlich.

12,9 Millionen der Armen waren Kinder. Bei ihnen ist die Entwicklung besonders alarmierend: Die Armutsrate bei US-Bürgern unter 18 Jahren stieg von 16,7 Prozent 2002 auf 17,6 Prozent 2003. Die Zahl der armen Kinder ist damit absolut um 800.000 gewachsen.

Hispanics rutschen ab

Das durchschnittliche Einkommen aller US-Haushalte stagnierte und lag bei 43.318 Dollar. Bei Weißen, Afro-Amerikanern und Asiaten gab es keine nennenswerten Veränderungen. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen für Hispanics allerdings fiel um 2,6 Prozent auf 33.000 Dollar. Weiße Haushalte verdienten im Schnitt 47.800 Dollar im Jahr, asiatische 55.000 und afro-amerikanische 30.000.

Zugleich meldete die Zensusbehörde, dass 15,6 Prozent der Amerikaner über keine Krankenversicherung verfügten - nach 15,2 Prozent im Jahr 2002. Die Zahl der nicht Versicherten stieg damit auf 43,5 Millionen. Auch dies war der dritte Zuwachs in Folge. Allerdings hat sich der Aufwärtstrend gegenüber den beiden Vorjahren verlangsamt. Bei Kindern lag der Anteil derjenigen ohne Krankenversicherung konstant bei 11,4 Prozent. Diese stabile Tendenz erklärt sich vermutlich daraus, dass staatliche Förderprogramme wie das Children's Health Insurance Program ausgeweitet wurden.

Sensibles Wahlkampfthema

Die Berichte der Zensusstelle gelten als wichtigste Gradmesser dafür, wie sich Armut und Wohlstand in den USA entwickeln. Normalerweise werden die Daten im September veröffentlicht. In diesem Jahr wurde der Termin vorgezogen. Die Demokraten warfen der Bush-Regierung daraufhin vor, eine Verlegung der Publikation erwirkt zu haben, um die unangenehmen Nachrichten aus der Schlussphase des Wahlkampfes herauszuhalten. Die Zensusbehörde verwahrte sich aber gegen den Vorwurf, sie sei bei der Terminwahl politisch beeinflusst worden.

Die Demokraten reagierten schnell auf die Zahlen. "Unter George W. Bushs Amtsführung fallen Amerikas Familien weiter zurück", sagte der Präsidentschaftskandidat John Kerry. Die Bush-Regierung wies darauf hin, dass sich die Wirtschaftslage 2004 bedeutend gebessert habe. Die Auswirkungen seien aber in der Statistik noch nicht berücksichtigt.

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