Der militärische Abenteuer-Ausflug führte die Bahn-Manager in der vergangenen Woche auf den bayerischen Truppenübungsplatz Hammelburg. Dort wollte die wegen angekündigter Preiserhöhungen und notorischer Verspätungen in Bedrängnis geratene Bahnführung sich an "originären Bestandteilen der Ausbildung der Infanterie" erproben, um Zusammenhalt und Teamgeist zu stärken, berichtet DER SPIEGEL. So durften die Teilnehmer der "Konzern-Führungskräfte-Konferenz" (KFK) diverse Mutproben ablegen: Kletterwände hochkraxeln, auf Drahtseilen balancieren oder sich an einem Tau über einen breiten Wassergraben schwingen.
Auf einer "Ortskampfbahn", wo Grenadiere sonst den Häuserkampf trainieren, konnte Mehdorns Mannschaft dynamisch das "Verhalten in der Gruppe" üben. Selbst eine simulierte Geiselnahme stand für die - ganz militärisch - in vier "Züge" eingeteilte Bahner-Truppe auf dem Manöverprogramm. Abends gab es, wie ein Vorständler schwärmte, sogar "einen Hauch von Überlebenstraining": Die an Nobelrestaurants gewöhnten Manager mussten Gemüse schnippeln und Suppe kochen.
Den Tag im "Biwakgelände Königsberg" beschloss ein Kameradschaftsabend am Lagerfeuer. Die Nacht verbrachten die Eisenbahner in Armee-Schlafsäcken auf Feldbetten in zwei Großraumzelten - die wenigen Damen per Vorhang von den Herren separiert. Weil ein lautes Schnarchkonzert das "Ruhen im Feldlager" erschwerte, hatten einige Bahner Mühe, am nächsten Tag dem Vortrag des Brigadegenerals Johann Berger ("Anforderungen an die Führer der Infanterie") zu folgen.
Zuletzt hatte die Deutsche Bahn mit ihren umstrittenen Börsenplänen für Schlagzeilen gesorgt. Bahnchef Mehdorn hatte am Donnerstag verkündet, sein Unternehmen werde 2006 wie geplant kapitalmarktfähig sein. Die anhaltende Kritik der Verkehrsexperten des Bundestages sowie der Verbände BDI und DIHK hatte Mehdorn als Miesmacherei zurückgewiesen. Die Behauptung, dass die Bahn das Netz verrotten lasse, sei "völlig abwegig", hatte er gesagt. Auch Klagen der Bahnindustrie, dass der Konzern praktisch nicht mehr investiere, wies er zurück. In diesem Jahr werde die Bahn fast die gesamte Summe von 8,4 Milliarden Euro ausnutzen, die für Investitionen zur Verfügung stehe. Der Rest von 200 Millionen werde in Absprache mit dem Verkehrsministerium 2005 ausgegeben.
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