Von Daniel Sokolov, Wien
Wien - In den letzten vier Jahren hat die deutsche Telekommunikationsbranche ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Im Sommer 2000 hatten sechs Unternehmen noch absurd hohe Summen für das Recht geboten, bis 2020 in einem zwei mal zehn Megahertz großen Spektrum funken zu dürfen. Die Vision, die sie berauschte, heißt UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) oder 3G (dritte Mobilfunk-Generation). Grenzenloses Online-Vergnügen und Videotelefonie für alle, das war ihr Traum. Jeder der sechs stapelte pro Tag der Lizenzlaufzeit mehr als eine Million Euro auf den Tisch des Auktionators.
Schon zwei Jahre später war Ernüchterung eingekehrt. Weder Netze noch UMTS-Telefone waren in Sichtweite. Dafür schickten sich kleine Newcomer an, mit vergleichsweise preiswerten Geräten Daten noch vielfach schneller durch den Äther zu jagen. Ihre Zauberformel heißt Wireless Local Area Network (WLAN) - ohne Lizenzen und Gebühren. Journalisten und Analysten skizzierten schon den Verdrängungskrieg zwischen den lizenzlosen WLAN-Proletariern und den Kapitalisten mit 3G-Lizenz. Viele glauben bis heute, dass die Proletarier die Oberhand gewinnen und die UMTS-Konzerne blamieren werden.
Kein Recht auf ungestörtes Funkvergnügen
Tatsächlich liegt die Wahrheit in der Mitte - die WLAN-Hotspots werden UMTS nicht verdrängen, beide Angebote können koexistieren. Nach der UMTS-Ernüchterung klingt inzwischen auch der Hype um WLAN ab. Der Kauf der teueren Lizenzen, der Aufbau einer neuen Netz-Infrastruktur - all das könnte sich für T-Mobile, Vodafone und die anderen verbliebenen Lizenzinhaber zumindest aus technischer Sicht doch noch als sinnvoll entpuppen.
Denn WLAN ist keine Alternative zum Mobilfunk dritter Generation. Die versprochenen Spitzenwerte bei der Übertragungskapazität sind nur in der Theorie zu erreichen. Vor allem aber haben die Hotspots, die überall in Cafés auftauchen, an Flughäfen und sogar in Fast-Food-Lokalen einen großen Feind - den eigenen Erfolg. Der vermeintliche Vorteil des Funkstandards - seine Lizenzfreiheit - schlägt schnell in einen Nachteil um, wenn WLAN intensiv genutzt wird.
Je mehr Hotspots privat oder öffentlich betrieben werden, umso mehr Sender kommen sich gegenseitig in die Quere. Die Übertragungsgeschwindigkeiten sinken rapide, die Verbindungen werden instabil. Ein Recht auf ungestörtes Funkvergnügen aber gibt es im lizenzfreien Raum nicht. Die Auswirkungen können heute schon auf jeder beliebigen Technologiemesse beobachtet werden, wo jeder Aussteller seinen eigenen Access Point mitbringt.
"Die Firmen, die einen schnellen Profit erhoffen, werden wahrscheinlich eingehen"
So haben sich manche Mobilfunker wie etwa die österreichische tele.ring bewusst gegen das Geschäft mit öffentlichem kostenpflichtigen WLAN entschlossen. Sie erwarten, dass immer mehr Hotels und Restaurants kostenlose Hotspots als neue Attraktion für ihr Publikum anbieten. Das würde den Markt für kostenpflichtiges WLAN ruinieren. Diejenigen Anbieter, die sich ausschließlich auf den Markt für WLAN-Zugangspunkte spezialisiert haben, müssen sich auf eine lange Durststrecke einstellen.
"Die Firmen, die einen schnellen Profit erhoffen, werden wahrscheinlich eingehen", glaubt Amrish Kacker vom Telekommunikations-Consultant Analysys. Nur wer einen langen Zeithorizont hat, werde wohl "etwas Profit" erwirtschaften. Eine dritte Gruppe von Unternehmen wie O2 oder mobilcom geht vorsichtshalber einen Mittelweg: Sie schließt Großhandelsverträge mit Hotspot-Betreibern ab und verkauft deren Dienstleistungen weiter - ohne eigenes Investitionsrisiko.
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