Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
07.10.2004
 

UMTS vs. WLAN

Das Verdrängungsduell fällt aus

Von Daniel Sokolov, Wien

2. Teil: Teil zwei: "GSM stößt an die Grenzen, vor allem in Ballungsräumen"

Gleichzeitig orientieren sich die Telekom-Konzerne in Sachen UMTS nach einer Phase der Ernüchterung wieder nach vorne. Sie wissen: Die Zahl der Mobilfunkkunden ist endlich, schon jetzt kommen auf 100 Deutsche etwa 80 Handys. Wesentliches Wachstum lässt sich nur erreichen, wenn jeder Kunde mehr umsetzt als bisher. Deswegen versuchen die Mobilfunkunternehmen, an eigentlich branchenfremden Dienstleistungen zu verdienen, bieten alles Mögliche vom Bahnticket über die Skibruchversicherung bis zum Horoskop an. Zugleich möchten sie E-Mails, Spiele oder Klingeltöne aufs Handy liefern. Das größte Potenzial für Volumenwachstum aber gibt es in der Sprachtelefonie - und hier kommt 3G wieder ins Spiel.

UMTS-Karte: Teil der Langfrist-Strategie
Zur Großansicht
DDP

UMTS-Karte: Teil der Langfrist-Strategie

Nach dem Geschmack der Mobilfunker wird noch zu viel über Festnetzapparate telefoniert. Diese Kundengruppe wollen die Mobilfunker zum Umsteigen verlocken - Festnetzsubstitution nennen Fachleute den Trend. Tatsächlich sinkt die Zahl der Festnetzanschlüsse in vielen Ländern bereits. Damit diese Verlagerung aber technisch reibungslos läuft, müssen die Kapazitäten der Mobilfunknetze erheblich ausgebaut werden. Die GSM-Technologie stößt dabei an ihre Grenzen - ab einem gewissen Kapazitätsbedarf wird der Ausbau der etablierten Netze so teuer, dass sich UMTS als Alternative entpuppt.

Vor allem in Ballungszentren ist UMTS für die Netzbetreiber also notwendiger Teil ihrer langfristigen Strategie. Da sie - ironischerweise nicht zuletzt aufgrund der hohen UMTS-Lizenzgebühren - Kredite bedienen und weiter wachsen müssen, werden sie vor allem zu Spitzenzeiten auf deutlich höhere Übertragungskapazitäten angewiesen sein als bisher.

Aus technischer Sicht also macht die Koexistenz von WLAN und UMTS Sinn - an der Wirtschaftlichkeit von UMTS aber gibt es weiterhin Zweifel. Die im 3G-Geschäft einst angepeilten Traummargen werden sich wohl kaum je erzielen lassen. Zumindest die in Deutschland und Großbritannien bezahlten Lizenzgebühren scheinen immer noch exorbitant hoch.

Viele Chancen - und ein Negativszenario

Ökonomisch sinnvoll wäre eine Arbeitsteilung zwischen WLAN und UMTS. Die Hotspots bieten den wirklich Datenhungrigen in Hotels und an Flughäfen einen mobilen Breitbandzugang, die 3G-Anbieter spezialisieren sich auf Sprachtelefonie, Mitteilungen wie MMS, Chat und E-Mail oder Videos.

Riskant wird es aus Sicht mancher Analysten, wenn die Anbieter UMTS zu forciert als Breitbandzugang zum Internet vermarkten - dann drohe ein Preiskrieg zwischen den verschiedenen Technologien. "Obwohl 3G substanzielle Vorteile in punkto Datendurchsatz, Kapazität und Kosten gegenüber GSM-Netzen mit GPRS bietet, müssen die Netzbetreiber es vermeiden, mit 3G über seine Grenzen zu gehen", sagt etwa Analysys-Experte Alastair Brydon.

"Der direkte Wettbewerb mit Breitbandzugängen im Festnetz oder öffentlichen WLANs", lautet seine Warnung, "könnte den Profit vernichten."

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP