IG Metall: Mehr für Mitglieder?
Berlin - "Wir stimmen keiner Regelung zu, die so etwas vorsieht", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Metall-Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen, Karl-Ernst Schmitz-Simonis, am Montag. Der Arbeitgeberbundesverband Gesamtmetall warnte vor einer Spaltung der Belegschaften. Die IG-Metall-Zentrale in Frankfurt begrüßte dagegen den Vorstoß ihres nordrhein-westfälischen Bezirks als gute Idee.
Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und die Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie (BCE) äußerten sich im Grundsatz positiv. Ver.di wies auf ein Gerichtsurteil hin, wonach Vergünstigungen für Gewerkschaftsmitglieder die Höhe des monatlichen Gewerkschaftsbeitrages nicht übersteigen dürften.
Die IG Metall in Nordrhein-Westfalen hatte nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen rund ein Dutzend einzelbetriebliche Verträge geschlossen, die für Mitglieder Sonderregelungen wie höheres Entgelt, mehr Urlaub, bessere Altersvorsorge oder höhere vermögenswirksame Leistungen vorsehen.
Die Gewerkschaften sehen in dem Tarifbonus in Zeiten des Mitgliederschwundes auch einen Werbeeffekt. Sie verlieren seit Jahren Mitglieder. So zählten die Einzelgewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Ende 2003 noch knapp 7,4 Millionen Mitglieder - über 300.000 weniger als ein Jahr zuvor.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
Ein Gesamtmetall-Sprecher sagte in Berlin, für die Gewerkschaften komme es darauf an, "sich durch überzeugende Mitarbeit bei Erhalt und Schaffung von Arbeitsplätzen zu profilieren und nicht, sich als Organisation kaufen zu lassen". Er fügte hinzu: "Wir machen jedenfalls nichts mit, was Belegschaften spaltet und das Prinzip gleicher Lohn für gleiche Arbeit im selben Betrieb verletzt."
Die IG Metall sprach von einer Art Modellversuch, der in Absprache mit der IG-Metall-Spitze in Frankfurt am Main laufe. Unter anderem hatte die IG Metall mit einer Baufirma in Gummersbach einen Sanierungstarifvertrag ausgehandelt, der eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich vorsieht. Die 50 IG-Metall-Mitglieder des Betriebes erhielten jedoch pro Kopf während der zweijährigen Laufzeit 100 Euro zusätzlich pro Jahr.
Die Idee sei "erstmal positiv", sagte eine Sprecherin des IG-Metall-Bundesvorstandes in Frankfurt am Main. Es sei aber ein noch zu frühes Stadium für eine Bewertung. Positiv sei, dass damit das "Bewusstsein für den Wert von Tarifvereinbarungen geschärft" werde. Den Beschäftigten werde in Erinnerung gerufen, dass Tarifverträge "nicht durch Zufall entstehen", sondern dass dahinter das Engagement von Gewerkschaftsmitgliedern stehe.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH