Wirtschaft



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06.11.2004
 

Tarifsystem

IG-Metall-Vize Huber regt grundlegende Reform an

IG-Metall-Vize Huber hat eine Reform des Tarifsystems ins Gespräch gebracht. Ihm schwebt vor, dass die Tarifparteien den Lohnabschluss der jeweiligen Branche zentral festlegen, weitere Details sollten in den Betrieben ausgehandelt werden. Der Abschluss bei VW verlangt den Mitarbeitern mehr ab als bislang bekannt.

Hamburg - Die IG Metall müsse berücksichtigen, dass sich "die wirtschaftliche Situation der Betriebe immer stärker unterscheidet", sagte Berthold Huber dem SPIEGEL. "Manche Betriebe machen satte Gewinne, andere stecken in Schwierigkeiten." Die IG Metall werde deshalb prüfen, ob sie mit einem so genannten zweistufigen Tarifverfahren auf die veränderte ökonomische Lage reagieren soll.

Dabei legen Arbeitgeber und Gewerkschaften die Höhe der jeweiligen Lohnrunde wie bisher in zentralen Verhandlungen für die gesamte Branche fest. "Ein Teil des Abschlusses könnte dann auf Betriebsebene ausgehandelt werden", sagte Huber dem SPIEGEL.

Harte Einbußen für VW-beschäftigte

Der Tarifkompromiss des Volkswagen-Konzerns, der am vergangenen Freitag von der Großen Tarifkommission der IG Metall genehmigt wurde, sieht laut SPIEGEL deutlich härtere Einbußen für die Beschäftigten vor als bislang bekannt. Das geht aus einem achtseitigen Papier hervor, in dem die Verhandlungskommissionen das Ergebnis festgehalten haben.

Für die bisherige Belegschaft werden Überstunden künftig kaum noch bezahlt. "Mehrarbeit soll grundsätzlich durch bezahlte Freistellung von der Arbeit ausgeglichen werden", heißt es in dem Papier. Nur wenn ein Ausgleich durch Freizeit für einen absehbaren Zeitraum ausgeschlossen ist, sei eine "Abgeltung in Geld" vereinbar. Wenn dennoch Überstunden bezahlt werden, dann gibt es dafür kaum noch Zuschläge. Die sollen nur noch bezahlt werden, wenn der Beschäftigte länger als 40 Stunden arbeitet.

Zudem wird eine bereits vereinbarte indirekte Lohnerhöhung entfallen. Bei VW sollen, wie bei anderen Unternehmen auch, Arbeiter und Angestellte künftig nach einem einheitlichen Entlohnungssystem bezahlt werden. Bei der Eingruppierung der Arbeiter in dieses System wären die Löhne um durchschnittlich 1,4 Prozent gestiegen. Darauf hatte sich das VW-Management und die Gewerkschaft vor zwei Jahren geeinigt.

Jetzt stellen sie fest: Die "vereinbarten Strukturkomponenten von zusammen 1,4 Prozent entfallen ab dem 1. Oktober 2004 ersatzlos". Mitarbeiter, die VW ab dem 1. Januar 2005 einstellt, sollen dem Papier zufolge in etwa den Lohn erhalten, den derzeit die Mitarbeiter in der "Auto 5000 GmbH" verdienen, nämlich ein "Eckentgelt inklusive Leistungsbestandteilen" von 2562 Euro pro Monat und dafür bis zu 35 Stunden in der Woche arbeiten. "Es besteht Einverständnis", schreibt die Verhandlungskommission, dass das durchschnittliche Entgeltniveau dem des Flächentarifvertrags entsprechen soll.

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