Berlin - "Es muss den Betrieben möglich sein, bei Bedarf auch an Samstagen normal zu arbeiten", sagte der Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Diether Klingelnberg, der "Bild". "Deshalb sollte das Arbeitszeitgesetz abgeschafft werden."
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ludwig Georg Braun, sagte dem Blatt, Deutschland brauche längere und flexiblere Arbeitszeiten. "Teure Samstagszuschläge sind dabei nicht mehr zeitgemäß", ergänzte er. "Sie reduzieren unsere Wettbewerbsfähigkeit." FDP-Vize Rainer Brüderle sekundierte den Arbeitgebern und sagte, es werde eine 40-Stunden-Woche mit flexiblen Arbeitstagen benötigt. "Wer am Samstag voll arbeitet, kann in der Woche frei haben."
Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Harald Schartau (SPD) riet hingegen zu individuellen Lösungen. "Ein Rezept, das alle über einen, Kamm schert" helfe nicht weiter. Lösungen müssten je nach wirtschaftlicher Lage in den Unternehmen gefunden werden. Mehr Wettbewerbsfähigkeit könnten deutsche Firmen nur erreichen, wenn sie neben einer Flexibilisierung der Arbeitszeit auch ihre Produkte verbesserten und in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter investierten. Die Lohnkosten seien nur ein Teil des Problems. Wer etwas anderes behaupte, mache es sich zu einfach.
Bundestagspräsident Thierse (SPD), der gestern noch pauschal für längere Arbeitszeiten im Westen eingetreten war, lenkte heute ein. Er glaube, dass viele Deutschen zur Mehrarbeit bereit sind, um ihren Arbeitsplatz zu sichern. Dies sei aber nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll, so Thierse im Deutschlandradio Berlin. "Man muss nüchtern danach fragen, ob Mehrarbeit als generelle Regelung ein sinnvolles ökonomisches Unterfangen ist oder ob es nicht vor allem darum geht, mehr differenzierte Regelungen zu ermöglichen, weil es ja nicht überall gleich viel Arbeit gibt."
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