Von Jörn Sucher
Hamburg - "Die Organisation an der Kasse wird in Kürze so umgestellt sein, dass der Kunde keine langen Schlangen in unseren Filialen mehr vorfindet", erklärte Lidl gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Um diesen Service gewährleisten zu können, benötigen wir mehr Mitarbeiter", hieß es weiter. Seit Sommer sei man dabei, die Mitarbeiterzahlen anzupassen.
Entsprechend rechnet das Unternehmen mit steigenden Personalkosten. Wie hoch der Anstieg konkret ausfallen wird, konnte Lidl nicht sagen, weil die Maßnahme noch nicht vollständig abgeschlossen ist.
Der Discounter strebt an, nicht nur den Service an den Kassen zu beschleunigen, sondern auch die Kunden besser zu beraten. Durch die Neuorganisation hätten Mitarbeiter "mehr Freiraum, Kundenfragen und Wünsche zu bearbeiten". Interne Schulungen zum Thema Kundenservice "werden ausgeweitet und noch in diesem Jahr verstärkt stattfinden", teilte das Unternehmen mit.
Service als Kundenköder
Bislang galten Discounter wie Lidl und Aldi nicht unbedingt als Hort einer ausgeprägten Dienstleisterkultur. Im Gegenteil: Um zu sparen, halten die Billigheimer traditionell die Personalkosten niedrig und verzichten bei der Einrichtung ihrer Filialen auf Annehmlichkeiten.
Allerdings hat die in Deutschland grassierende Konsumflaute nunmehr auch die erfolgsverwöhnten Preisbrecher erreicht. Nach Jahren nahezu ungebremsten Wachstums verliert etwa Aldi seit einigen Monaten Umsatz. Im September lag das Minus nach Aussage von Marktbeobachtern durchschnittlich bei drei Prozent auf bestehender Verkaufsfläche.
Härter traf es Lidl. Der Branchenzweite soll nach Informationen der "Lebensmittel-Zeitung" sechs Prozent Umsatz verloren haben. Die kleineren Konkurrenten Plus und Penny konnten ihre Marktstellung dagegen nach Einschnitten im Filialnetz in den vergangenen Monaten verbessern. Auch die Vollsortimenter wie Edeka oder Minimal spüren wieder Aufwind.
Aldi und Lidl haben sich angesichts der Einbrüche zuletzt einen heftigen Preiskampf geliefert. Bei den Verantwortlichen scheint sich aber parallel die Einsicht durchgesetzt zu haben, dass das ruinöse Wettbieten kein Ausweg sein kann.
Lidl setzt daher offenbar auf mehr Service. Bereits im Sommer hat die Kette die Öffnungszeiten deutschlandweit auf 8 Uhr bis 20 Uhr ausgeweitet. Die sich nun abzeichnende Personaloffensive könnte der nächste Schritt sein, mit dem das Unternehmen sich einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz sichern will.
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