Mittwoch, 10. Februar 2010

Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
17.01.2005
 

Tausende Jobs in Gefahr

Walter Bau ringt ums Überleben

Erinnerungen an den Fall Holzmann werden wach: Wieder einmal ist ein großer deutscher Baukonzern in eine schwere Krise gestürzt. Die Walter Bau AG - Arbeitgeber für 10.000 Menschen - verhandelt mit den Banken über ein Sanierungskonzept. Einige Institute aber wollen derzeit keine neuen Gelder bewilligen.

Walter-Bau-Logo vor der Firmenzentrale in Augsburg: Entscheidende Woche
Zur Großansicht
DDP

Walter-Bau-Logo vor der Firmenzentrale in Augsburg: Entscheidende Woche

Augsburg/Frankfurt am Main - "Die Lage ist sehr ernst", zitiert die Nachrichtenagentur dpa am Mittag Quellen aus dem Kreis der Gläubiger. Die Existenz des Baukonzerns sei nach Einschätzung einiger Banken gefährdet, obwohl Walter Bau bereits ein Sanierungskonzept vorgelegt hat. Es seien nur sehr wenige Banken bereit, die Finanzierungsstruktur so zu verändern, wie von Walter Bau gewünscht wird.

Der Vorstand der Walter Bau AG warnte vor Panikmache. Er zeigte sich zuversichtlich, dass "die für die Liquiditätssicherung und den Fortbestand des Unternehmens notwendige Zustimmung aller Finanzierer kurzfristig erreicht werden kann". Erste Banken hätten bereits Unterstützung signalisiert, hieß es von Walter Bau.

Der Baukonzern aus Augsburg hat nach der gescheiterten vollständigen Übernahme der Ed. Züblin AG unter anderem Verkäufe im Umfang von rund 150 Millionen Euro angekündigt. Auf diesem Weg sollen Liquidität und Ertragsfähigkeit des Unternehmens sicherstellt werden. In Finanzkreisen stoße dieser Plan jedoch auf Kritik, meldet dpa. Es sei zweifelhaft, ob die Existenz durch den Verkauf profitabler Unternehmensteile langfristig gesichert werden könne, zitiert die Agentur Bankenkreise - es gebe insofern durchaus Parallelen zur Pleite des Holzmann-Konzerns.

"In jedem Fall Veränderungen"

Auch die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, einige Finanzinstitute wollten den Restrukturierungsvorschlag nicht akzeptieren. Bei den Hausbanken sind bereits die Bautechnik-Tochter Dywidag Systems International und andere Konzernteile als Sicherheiten vor allem für die Bürgschaften (Avale) in Höhe von 1,5 Milliarden Euro verpfändet. Ohne diese würde Walter Bau keine Bauaufträge für größere Projekte bekommen.

Die Berliner Bank wolle sich nun aus dem Kreise der Aval-Geber verabschieden, so die "Süddeutsche". Das Institut bürge für 60 Millionen bis 70 Millionen Euro. Demnach liegen die eigentlichen Kredite bei 210 Millionen Euro.

So bleibt zweifelhaft, ob das Sanierungskonzept die Zustimmung aller 27 beteiligten Banken findet. "Wir wollen in jedem Fall Veränderungen", zitiert die dpa beteiligte Gläubiger. Die Gespräche würden in diesen Tagen fortgesetzt. Falls keine Einigung erzielt werde, könne sich die Situation binnen weniger Tage zuspitzen, schreibt die Agentur.

Ignaz Walter: Halbe Milliarde Euro Außenstände

In der "Süddeutschen " sagte Konzerngründer und Aufsichtsratschef Ignaz Walter, hohe Außenstände hätten zu den finanziellen Problemen geführt. Seit Monaten Warte Walter Bau auf die Zahlung von etwa 450 Millionen Euro. Das Unternehmen will zusätzlich zu den Verkaufsplänen ein Sparprogramm starten und damit die Kosten um 40 bis 60 Millionen Euro jährlich senken. Ein Stellenabbau gilt dabei als denkbar. In den vergangenen Jahren hat der Konzern bereits mehr als 3000 Stellen gestrichen.

Die Ende Oktober 2004 angekündigte vollständige Übernahme von Züblin war Anfang Dezember gescheitert. Die Walter Bau AG, die derzeit rund 53 Prozent an Züblin hält, wollte von der Stuttgarter Unternehmerfamilie Lenz deren Anteilspaket von 42,68 Prozent übernehmen. Bereits damals wurden in Branchenkreisen unter anderem Probleme bei der Verlängerung der Kreditlinien der Banken für das fusionierte Unternehmen als Grund für den Fusionsstopp genannt. Diese Spekulationen wurden von Walter Bau allerdings nicht bestätigt.

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH













Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern