Geburt des Giganten: Der A380 am Mittag in der Werkshalle von Blagnac, kurz nach der offiziellen Vorstellung
Toulouse/Hamburg - Wenige Minuten vor zwölf konnten die 4500 Gäste in der Halle einen ersten Blick auf das Flugzeug erhaschen. Im effektvoll gedimmtem blauen Licht thronte der A380 hinter der Showbühne im französischen Werk Blagnac. Kurz darauf trat Airbus-Chef Noel Forgeard ans Rednerpult. "Europa hat heute eine der schönsten Seiten seiner Geschichte geschrieben", sagte er. "Heute sind wir die Nummer eins einer Branche der Hochtechnologie."
An der Feier nahmen neben Forgeard, Airline-Managern aus drei Kontinenten und 500 Journalisten auch Bundeskanzler Gerhard Schröder, Großbritanniens Premier Tony Blair, sein spanischer Amtskollege José Luis Zapatero und der französische Staatspräsident Jacques Chirac teil. Sie repräsentieren die vier Staaten, aus denen die wichtigsten Komponenten für den A380 stammen und die dem Flugzeug mit Krediten über 3,2 Milliarden Euro Starthilfe gegeben hatten.
Show kostete mehrere Millionen Euro
Um 11.12 Uhr hatte der BBC-Moderator Alex Taylor in den vier Sprachen der Airbus-Nationen gesagt: Lasst das Spektakel beginnen." In der abgedunkelten Halle erstrahlte daraufhin ein bläuliches Licht, Nebelschwaden waberten über die Bühne. Die geladenen Gäste sahen eine Bühnenshow zum Thema "Abenteuer Fliegen". Kleine Modelle von Windmühlen und Flugzeugen sollten illustrieren, dass der Mensch "seit jeher davon geträumt hat, es den Vögeln gleichzumachen".
Tänzer führten dazu passende Choreographien auf. Ein zweiter, moderner Teil der Show zeigte auf Großmonitoren computeranimierte Bilder zur Geschichte des Airbus-Konzerns. In Videoeinblendungen sprachen die Chefs der 14 Airlines, die den A380 bisher bestellt haben, von den Vorzügen des Riesenmodells.
Die ganze Zeit verbarg sich - noch unsichtbar - der Star des Tages im Hallenhintergrund: der erste voll lackierte A380, 24 Meter hoch, 73 Meter lang und mit einer Spannweite von 80 Metern. Die Show soll etliche Millionen Euro gekostet haben. Genaue Summen nennt Airbus nicht.
Chirac: "Moment des Stolzes"
Anderthalb Stunden nach Beginn der eigentliche Höhepunkt: Vier Kinder aus den vier Nationen betätigen symbolisch einen Knopf - und mit einem Schlag ist der A380 zum ersten Mal in voller Beleuchtung zu sehen.
Chormusik erklingt in der Halle, das Blitzlichtgewitter der Fotografen beginnt. Auf der Heckflosse ist das neue, modernisierte Logo des Airbus-Konzerns zu erkennen. Das geladene Publikum darf den neuen Flieger bisher aber noch nicht betreten. Das Innere wird nur den Airline-Chefs und Staatsgästen vorgeführt.
Diese hatten zuvor in Festreden die Bedeutung des Projekts für den Industriestandort Europa gepriesen. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac sagte in seiner Rede. "Die Taufe des A380 ist für uns alle ein Moment großen Stolzes". Er bezeichnete das Großraumflugzeug als "großen Erfolg Europas" - nun müsse man daran anknüpfen und den Kontinent zu einem "Hauptquartier der Hochtechnologie" ausbauen.
Schröder: Triumph des "alten Europas"
Tony Blair sagte, allein in Großbritannien würden langfristig 100.000 Jobs vom A380 abhängen und 400 Firmen profitieren. Europa werde Milliarden von Export-Einnahmen erzielen können. Blair pries den A380 als besonders umweltfreundlich: Er verbrauche 30 Prozent weniger Treibstoff als vergleichbare Großflugzeuge.
Bundeskanzler Schröder spielte auf den amerikanischen Konkurrenten Boeing an und sagte, am Beispiel A380 zeigten sich die Vorzüge "des guten, alten Europa". Traditionen wie Zusammenarbeit, Fairness gegenüber allen Mitarbeitern eines Unternehmen und soziale Sensibilität hätten das Projekt zum Erfolg geführt und technologische Höchstleistungen ermöglicht. "Unser Europa ist immer noch in der Lage, großartige Impulse für die Moderne zu geben."
Schröder appelierte an die EU, sie solle in den bevorstehenden Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung die "europäische Fahne hochhalten". Bei den Gesprächen geht es um umstrittene staatliche Förderungen für die Luftfahrtindustrie. Der Kanzler sagte auch, "dass das Boot bei EADS nicht voll ist". So sei die Hereinnahme weiterer Nationen wünschenswert, insbesondere eine vertiefte Kooperation mit russischen Partnern. Auch der spanische Premier als letzter Festredner sagte: "Wir sollten auch den USA gegenüber stolz darauf sein, was wir können."
Erstflug doch erst im April
In den Stunden vor der Show hatte Airbus angedeutet, dass zusätzlich zu den bisherigen 149 Bestellungen bald weitere Großaufträge zu erwarten seien. So rechne man bis Ostern mit einer Order aus China. "Ich bin sehr zuversichtlich hinsichtlich einer chinesischen Bestellung bis Ostern", sagte Forgeard bei einer Pressekonferenz vor der Show. Den Namen der betreffenden Fluggesellschaft nannte er nicht.
Forgeard wird künftig mit an der Spitze des Airbus-Mutterkonzerns EADS stehen. Für ihn ist es der letzte große Auftritt als Airbus-Chef. Er kündigte an, der Jungfernflug des A380 solle Anfang April stattfinden. Bisher war immer vom März die Rede. Einen genauen Termin nannte Forgeard nicht.
Airbus hat bereits Zusagen für A380-Aufträge im Volumen von knapp 40 Milliarden Dollar. Die Käufer hoffen dabei auf geringere Unterhalts- sowie Betriebskosten und damit größere Gewinne. Denn nach wie vor spürt die Branche die Folgen der durch die Anschläge vom 11. September 2001 ausgelösten Luftfahrtkrise.
Probleme mit dem Gewicht
Mit dem A380 will Airbus auch seinen Vorsprung gegenüber dem US-Erzrivalen Boeing ausbauen, den die Europäer 2003 erstmals bei den Auslieferungen überholen konnten. Die Amerikaner hatten mit ihrem Jumbo-Jet 747 fast vier Jahrzehnte lang im Segment der großen Langstrecken-Jets ein Monopol gehalten.
Ganz ohne Probleme gestalteten sich die vergangenen Wochen für Airbus und EADS nicht. Die Airbus-Ingenieure kämpften bis zuletzt mit einem zu hohen Gewicht der Maschine. Der Flugzeugbauer musste die Entwicklungsanstrengungen erhöhen und damit das Budget um bis zu 1,45 Milliarden Euro überziehen. Zudem trübte ein Machtkampf um die künftige Besetzung der traditionell mit einem Deutschen und einem Franzosen formierte EADS-Doppelspitze die anstehende A380-Vorstellung.
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