Wirtschaft



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28.01.2005
 

Stellenabbau bei Siemens

Der neue Chef greift schon durch

Der frisch inthronisierte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld will offenbar seinen Ruf als Mann der Tat festigen: Schon an seinem ersten offiziellen Arbeitstag verkündet der Konzern Reformen im wichtigen Kommunikationsgeschäft - und weitere Stellenstreichungen in Deutschland.

Siemens-Chef Kleinfeld: Demonstrative Verkündung zum Antritt
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DPA

Siemens-Chef Kleinfeld: Demonstrative Verkündung zum Antritt

München - Insgesamt sollen 600 Arbeitsplätze im Bereich Festnetztechnik in München und Berlin wegfallen, zusätzlich zu den 100, die bereits im Herbst angekündigt wurden. Im Ausland sei der Abbau weiterer 650 Jobs im Netzgeschäft geplant.

"Der geplante Stellenabbau ist nicht zwingend mit Entlassungen gleichzusetzen" betonte der Leiter der Sparte Siemens Communications, Lothar Pauly. "Unser Ziel ist es, den betroffenen Mitarbeitern im Rahmen des Möglichen neue Aufgaben innerhalb von Siemens zu vermitteln oder sozialverträgliche Lösungen zu finden", fügte er hinzu. Der Stellenabbau sei Teil eines Konzepts, das einen Tag nach Amtsantritt von Kleinfeld im Wirtschaftsausschuss des Konzerns vorgestellt wurde.

Das Konzept sei nun Verhandlungsgrundlage mit Betriebsrat und Arbeitnehmervertretern. Die Gespräche hätten bereits begonnen. "Wir sind beratungsoffen", sagte Pauly. Er begründete den Schritt mit unverändert schwierigen Rahmenbedingungen und Kostendruck in dem Geschäftsfeld. "Die erhoffte nachhaltige Wende auf dem Markt für Festnetztechnik ist bislang ausgeblieben", hieß es in einer Siemens-Erklärung. "Überkapazitäten erfordern auch Anpassungen bei den Mitarbeiterzahlen."

Am härtesten von dem geplanten Stellenabbau ist München betroffen: Am Standort Hofmannstraße sollen demnach 250 Arbeitsplätze wegfallen und am Standort Perlach 150. In Berlin sollen 200 Jobs verloren gehen. Der Stellenabbau erfolge zusätzlich zu den 100 Arbeitsplätzen in München, deren Wegfall nach der Fusion der früheren Netzwerksparte ICN mit der Mobilfunksparte ICM im Herbst angekündigt wurde.

Pauly erklärte, dass Siemens im Bereich Festnetz auf Wachstumsfelder etwa im Bereich Breitbandnetze und Home-Entertainment setzen und sich gleichzeitig auf Kernfelder wie den Ausbau von Sprach- und Datenvermittlungssystemen konzentrieren wolle.

Die Sparte Siemens Com mit 60.000 Angestellten und 17 Milliarden Euro Umsatz war erst im Oktober 2004 durch den Zusammenschluss von ICN und ICM entstanden. Die Hälfte der Mitarbeiter der nun größten Siemens-Sparte arbeitet in Deutschland. Vor der Fusion strich der Konzern allein in der Festnetzsparte in den vergangenen Jahren weltweit rund 20.000 Stellen und damit fast jeden dritten Arbeitsplatz. In der Kommunikationssparte gilt vor allem die Handysparte gilt als Baustelle. Im ersten Quartal rutsche das Mobilfunk-Geschäft mit einem Verlust von 143 Millionen Euro noch tiefer in die roten Zahlen. Siemens, Nummer fünf auf dem Handy-Weltmarkt, verkaufte nur noch 13,5 Millionen Mobiltelefone. Der Konzern dementierte zuletzt am Donnerstag Verkaufsspekulationen. Vor allem Inland sorgen sich die Mitarbeiter seit Monaten um ihre Jobs.

Siemens hatte am Donnerstag zeitgleich mit dem Führungswechsel auf seiner Hauptversammlung für das erste Quartal des Geschäftsjahrs 2005 einen Gewinnsprung auf eine Milliarde Euro nach Steuern bekannt gegeben - ein Plus von 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der 64-jährige Pierer wechselte nach fast 13 Jahren an der Siemens-Spitze in den Aufsichtsrat, der ihn erwartungsgemäß zum Vorsitzenden wählte. Michael Pohl, AP

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