Frankfurt am Main - Es sei "zynisch", was von der Deutschen Bank
da getrieben werde, wetterte Andrea Ypsilanti am Dienstag in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Die Steuern und Lohnnebenkosten seien gesenkt worden, die Profite stiegen - trotzdem wolle die Bank 6400 Stellen streichen.
Ypsilantis Folgerung: "Jeder Kunde der Deutschen Bank kann sich überlegen, ob er nicht mehr für Arbeitsplätze in Deutschland tut, wenn er zu einer öffentlich-rechtlichen Sparkasse oder einer Genossenschaftsbank wechselt".
Die Politikerin sagte weiter: "Die Politik hat die Rahmenbedingungen für die Unternehmen in einem sehr schwierigen Diskussionsprozess verbessert, trotzdem werden Stellen abgebaut. Die Deutsche Bank demontiert sich damit auch als ernst zu nehmender Gesprächspartner."
Ausweichmanöver von links
Die Debatte über den Stellenabbau könnte für die Bank damit zum größten Image-Debakel seit der Victory-Zeichen-Entgleisung ihres Chefs Josef Ackermann vor einem Jahr werden. Ein Politiker nach dem anderen drischt öffentlich auf das Institut ein. Gestern erst hatte SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter rhetorisch gefragt, ob die Deutsche Bank den Namen "deutsch" überhaupt noch verdiene.
Nachdem gerade unter dem Eindruck einer neuen Rekordarbeitslosigkeit über das Versagen der rot-grünen Regierung in der Arbeitsmarktpolitik debattiert wurde, versuchen die Genossen damit ein Ablenkungsmanöver. Kritik an der Bank kommt aber nicht nur aus dem SPD-Lager und von den Gewerkschaften. Auch Jürgen Thumann, Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), rüffelte die Finanzmanager: "Wir können als Unternehmen nicht immer nur über maximale Eigenkapitalverzinsung reden und uns am Ende noch mit Extraboni belohnen lassen, wenn wir möglichst viele Menschen entlassen", sagte er im "Handelsblatt".
Ackermann hatte in der vergangenen Woche einen Anstieg des Netto-Gewinns um 87 Prozent auf 2,55 Milliarden Euro bekannt gegeben, zugleich aber erklärt, die Bank wolle ihren Sparkurs weiter beibehalten. Seit Amtsantritt des Schweizers 2002 hat der Konzern rund 20.000 Stellen abgebaut.
Chefvolkswirt verteidigt Jobabbau
Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, hat den geplanten Stellenabbau in seinem Haus verteidigt. Die Deutsche Bank habe sich nach dem Aktiencrash nicht wie andere Banken sofort aus dem Investmentbanking zurückgezogen. Das Tal nach dem guten Geschäft sei einfach zu lang, als dass man jetzt ohne Konsequenzen auskäme, sagte Walter am Dienstag im Fernsehmagazin "MDR um 12".
Der Rückbau komme vergleichsweise spät, werde aber in Deutschland viel extremer empfunden als in jedem anderen betroffenem Land. Zudem sei es besser, eine rentable Bank zu haben. Aber rentabel nach deutschem Verständnis heiße offenkundig noch lange nicht, auch rentabel in Europa oder gar im Weltmaßstab zu arbeiten.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH