Hamburg - Als Carly Fiorina im vergangenen Monat das Weltwirtschaftsforum in Davos besuchte, kursierten bereits erste Gerüchte, dass es zwischen ihr und dem Board (Aufsichtsgremium) gewaltig gekracht habe. Die resolute Dame dementierte den Streit umgehend; ihre Beziehungen zum Board seien "exzellent". Heute, nicht einmal zwei Wochen später, wurde sie vom Aufsichtsrat gefeuert.
Das Zerwürfnis reicht so tief, dass nicht einmal zum Abschied versöhnliche Worte fielen. Fiorina sprach von "Differenzen bei der Strategie", die Aufseher traten noch einmal nach. "Wir freuen uns darauf, die Firmenstrategie nun zügiger umzusetzen", sagte Direktorin Patricia Dunn.
Ganz unerwartet kommt das Aus für Fiorina nicht. Bereits seit längerem äußerten Analysten und Branchenbeobachter erhebliche Zweifel daran, dass der Technologiekonzern in die richtige Richtung marschiert. Ihnen erscheint es eher verwunderlich, dass die Managerin sich so lange an der Spitze von Hewlett-Packard (HP)
halten konnte.
Bei ihrem Amtsantritt im Sommer 1999 war HP in 83 Produktbereiche zersplittert und steckte in der Krise. Fiorina wollte die von den Silicon-Valley-Veteranen William Hewlett und David Packard 1939 in einer Garage gegründete Technologieschmiede wieder zu einem Vorzeigeunternehmen machen.
HP, so Fiorina seinerzeit, dürfe der Branche "nicht hinterherlaufen, sondern muss führen". Fünf Jahre später hechelt der Konzern stattdessen in fast allen Bereichen jeweils einem besser aufgestellten Platzhirschen hinterher: Bei Personalcomputern und Servern liegt Dell
vorne, bei Speicherprodukten EMC, bei Dienstleistungen für Geschäftskunden IBM
.
Die Liste von Fiorinas Fehlern ist lang:
In den meisten Disziplinen hat HP seine Marktführerschaft bereits verspielt. Lediglich der Geschäftsbereich Imaging & Printing hält den Konzern über Wasser und erwirtschaftet gute Renditen. Würden hier Probleme auftauchen, könnte es eng werden.
Ausruhen kann sich HP auch in dieser Sparte nicht. Dell versucht seit längerem, HP bei Druckern Marktanteile abzunehmen und die Preise zu drücken, wenn auch bisher mit mäßigem Erfolg.
Als fatal könnte sich in diesem Zusammenhang Fiorinas letzte Entscheidung erweisen: Im Januar hatte sie verkündet, die bisher getrennten PC- und Druckersparten miteinander verschmelzen zu wollen - vermutlich sollte dadurch der fortwährende Misserfolg im PC-Geschäft und das Scheitern der Fusion mit Compaq kaschiert werden.
Es besteht jedoch die Gefahr, dass der Konzern mit dieser Reorganisation sein einziges erstklassiges Geschäftsfeld ruiniert. Außerdem verliert HP die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt ganz aus der Computerherstellung auszusteigen - IBM
hat dies neulich vorgemacht und sein PC-Geschäft an die chinesische Lenovo verkauft.
Trotz Fiorinas katastrophaler Bilanz zögerten die Eigentümer sehr lange, bevor sie die Reißleine zogen. Möglicherweise zu lange. Wer der einstigen Vorzeigfrau als Vorstandschef nachfolgt, ist noch unklar. Das Unternehmen sucht nach eigenen Angaben noch einem passenden Nachfolger.
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