Von Matthias Streitz
Hamburg - Sprecher der dba bestätigten am Abend gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass Wöhrl kürzlich nach Athen gereist sei und mit der dortigen Regierung über die geplante Privatisierung der Fluggesellschaft gesprochen habe. Wöhrl sei interessiert daran, bei dieser Privatisierung eine Rolle zu spielen.
Nach Auskunft der Sprecher ist die dba selbst nicht direkt involviert. Von einer Olympic-Übernahme durch die dba, von der das "Handesblatt" in seiner Mittwochsausgabe berichtet, könne also keine Rede sein. Wöhrl handle vielmehr in seiner Rolle als Chef und Gesellschafter der Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft Intro GmbH.
Keine Auskunft gaben die Sprecher zu der Frage, ob Wöhrl eine alleinige Übernahme von Olympic anstrebe oder andere Modelle wie etwa eine Beteiligung und eine Lösung mit mehreren Partnern möglich seien.
Titanische Aufgabe
Die Sanierung des Griechenfliegers wäre Wöhrls bisher wohl schwierigste Prüfung: Olympic Airlines gilt als einer der größten Krisenfälle unter den staatlichen Carriern in Europa. Ende 2003 aus Olympic Airways hervorgegangen, wurde die "neue" Olympic zwar entschuldet, verkleinert und so vorerst reanimiert - sie hat aber fast alle Übel ihres chronisch kranken Vorgängers übernommen. Der griechische Verkehrsminister Michael Liapis warnte kürzlich, der schnelle Verkauf sei die letzte Chance für Olympic. Immerhin: Neben Wöhrls Intro soll es noch sechs weitere Interessenten geben.
Wöhrl, 58, ist Erbe und Miteigentümer der Modekette Wöhrl, begeistert sich aber seit seiner Jugend für die Luftfahrt und ist ausgebildeter Pilot. Schon 1974 gründete er den Nürnberger Flugdienst NFD, der später in Eurowings aufging. Wöhrl wurde so zum Pionier des Regionalflugverkehrs in Deutschland.
Baustellen auch in München
Für Aufsehen sorgte er, als er im Juni 2003 ebenfalls über die Intro GmbH die chronisch verlustreiche Deutsche BA für einen symbolischen Euro von der überforderten Mutter British Airways übernahm. Wöhrl hat die inzwischen in dba umgetaufte Airline trotz vieler Unkenrufe bisher erfolgreich saniert - im Geschäftsjahr 2004/2005, das am 31. März endet, soll sie erstmals einen kleinen Profit schaffen. Wöhrl hat die dba bis April 2004 selbst geführt und sich dann in den Aufsichtsrat verabschiedet.
Wirklich geschafft hat es die Airline noch nicht: Mit zuletzt 14 Maschinen ist die dba ein kleiner Player auf dem europäischen Flugmarkt, der durch die Expansion von Ryanair und easyJet und immer neue Billigairline-Gründungen durcheinandergewirbelt wird. Die Münchner Fluglinie denkt daher über eine engere Kooperation mit Germania Express (gexx) nach. Nach Aussage von Germania-Eigentümer Hinrich Bischoff ist sogar eine Fusion der beiden Firmen nicht ausgeschlossen.
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