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18.02.2005
 

Interview mit Symbian-Chef

"Das Handy-Windows ist doch nur Hype"

Microsoft möchte Windows auch bei Handys zum dominierenden Betriebssystem machen - bisher allerdings macht Platzhirsch Symbian dem Gates-Konzern das Leben schwer. Symbians Vorstandschef David Levin sprach mit SPIEGEL ONLINE über den Angriff aus Redmond und darüber, was Mobiltelefone mit Autos gemein haben.

Symbian-Chef Levin: "Natürlich muss man sich Sorgen um Microsoft machen"
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Symbian-Chef Levin: "Natürlich muss man sich Sorgen um Microsoft machen"

SPIEGEL ONLINE:

Herr Levin, Nokia hat angekündigt, in Zukunft auf seinen Mobiltelefonen auch Software von Microsoft einzusetzen. Läuft Ihnen das Handy-Windows demnächst den Rang ab?

David Levin: Nein, das ist doch nur Hype. Jedes Jahr verkündet Microsoft auf der Mobilfunkmesse in Cannes den großen Deal - seit 2000. Bisher ist wenig dabei herausgekommen. Die Zahlen sprechen für uns: Über 80 Prozent aller Smartphones laufen mit dem Symbian-Betriebssystem. Mit Microsofts Windows Mobile arbeiten nur sieben Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Redmond hat sich innerhalb von fünf Jahren immerhin den dritten Platz bei Handy-Software erkämpft. Müssen Sie Microsoft nicht ernster nehmen?

Levin: Natürlich muss man sich Sorgen um Microsoft machen, schließlich haben die unbegrenzte Ressourcen. Aber viel Geld zu investieren heißt noch lange nicht, dass ein vernünftiges Produkt dabei herauskommt.

SPIEGEL ONLINE: Auch die Netzbetreiber scheinen zunehmend Gefallen an Windows-Handys zu finden. T-Mobile bietet in Deutschland immer mehr Microsoft-Smartphones an.

Levin: Ja, aber verkaufen die sich? Wenn Sie sich die verfügbaren Zahlen genau anschauen, werden sie sehen, dass kein einziges der zehn meistverkauften Mobiltelefone auf Windows läuft. Wir hingegen sind in den vergangenen drei Jahren bei Smartphones um hundert Prozent gewachsen - jedes Jahr.

SPIEGEL ONLINE: Irgendwann hat aber jeder Geschäftskunde solch ein Gerät, und für Normaltelefonierer sind Smartphones zu kompliziert. Wie wollen Sie dieses Wachstum aufrecht erhalten

Levin: Ich sehe das anders, auch Privatpersonen werden mobil Videos versenden, Nachrichten lesen und E-Mails abrufen wollen. Sicher, viele Telefone sind derzeit noch sehr komplex, aber das wird sich ändern. Ich vergleiche Handys da gerne mit Autos.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte?

Levin: Schauen Sie sich an, was für ein Motor heutzutage in einem normalen Mittelklassewagen steckt. Wenn sie in den sechziger Jahren jemand die heutigen PS-Zahlen genannt hätten, dann hätten die Leute den Kopf geschüttelt und gesagt: 'Soviel Power braucht nur ein Rennwagen'. Genauso wird es bei Handys sein. Am Anfang verwenden viele Kunden Multimediafunktionen oder eingebaute Kameras nicht, aber nach einiger Zeit entdecken sie neue Wege, ihr Telefon zu benutzen.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland verkauft der Kaffeeröster Tchibo Handys ohne Multimedia-Schnickschnack und ist damit äußerst erfolgreich.

Levin: Nochmal: Sobald Smartphones einfacher bedienbar sind, setzen sie sich auch bei Privatkonsumenten durch. In Europa ist der Markt für Smartphones im dritten Quartal um 38 Prozent gewachsen. Er wird weiter zulegen, das prognostizieren auch viele Analysten.

SPIEGEL ONLINE: Hand aufs Herz: Haben Sie sich bei einer neuen Handy-Technologie schon mal so richtig verschätzt?

Levin: (lacht) Als ich 1998 die ersten Telefone mit SMS-Funktion sah, habe ich mir gedacht: Eine Anwendung, bei der man "333" eintippen muss, nur um den Buchstaben "F" zu schreiben - das kann nur floppen.

Die Fragen stellte Thomas Hillenbrand

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