Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
15.03.2005
 

Verbraucherproteste

Werberat verzeichnet deutlich mehr Beschwerden

Derbe Slogans wie "Geiz ist geil" oder "Leck mich - ist das billig" erregen nach Angaben des Deutschen Werberats bei einer wachsenden Zahl von Verbrauchern Missfallen. Nach Berechnungen des Gremiums stieg die Zahl der Beschwerden gegen rüpelhafte Werbesprüche im vergangenen Jahr sprunghaft an.

"Geiz ist Geil"-Werbung: Laut und pöbelig
Zur Großansicht
DDP

"Geiz ist Geil"-Werbung: Laut und pöbelig

Berlin - Im Jahr 2004 habe sich die Zahl der Beschwerden beim Werberat mit 929 um die Hälfte gegenüber dem Vorjahr (606) erhöht, teilte das Selbstkontrollgremium der Werbewirtschaft am Dienstag in Berlin mit. Ein allgemeiner Trend zum Vulgären sei allerdings nicht erkennbar, sagte der Werberats-Vorsitzende Jürgen Schrader. Die kritisierten Sprüche seien von nur wenigen Kampagnen ausgegangen. Allein der Spruch "Lasst Euch nicht verarschen" eines Elektrofilialisten sei mehr als hundert Mal beanstandet worden.

Insgesamt seien im Jahr 2004 Proteste gegen 254 Werbekampagnen eingegangen. Davon habe der Werberat 50 Kampagnen als moralisch fragwürdig eingestuft. Es sei dabei um Diskriminierung von Frauen (21 Beanstandungen), Verstöße gegen Werberegeln für Alkohol (5), Gewaltverherrlichung (4) und Gefährdung von Kindern (3) gegangen. In 86 Prozent der kritisierten Fälle hätten die Unternehmen die Werbung aus dem Verkehr gezogen oder korrigiert. Sieben Mal seien Unternehmen gerügt worden, weil sie die Kampagne trotz Beanstandung weiter laufen ließen. In solchen Fällen droht den Firmen eine Klage.

Kritisiert wurde unter anderem ein Tätowierungsstudio aus Celle für das Bildmotiv eines an Unterlippe und Nase gepiercten Babys. Auch ein "Erotik-Bier" aus Bayern wurde von den Werbewächtern beanstandet. Missfallen erregte die Anzeige für eine Maschine für Fleischverarbeitung. Unter dem Spruch "Jeder Schinken braucht die korrekte Behandlung" wurden Fotos des Geräts sowie eines Frauengesäßes gezeigt. Beanstandet wurde auch ein Fernsehspot des Musiksenders MTV, bei dem ein Säugling seiner Mutter unter den BH greift. Dazu läuft der Song "I can't stand this feeling anymore".

Schrader warnte vor Versuchen aus der EU, die Organe der Selbstkontrolle der Wirtschaft staatlicher Aufsicht zu unterstellen. Unter dem Prinzip sogenannter "K. o.-Regulierung" wolle die EU die Regeln für kommerzielle Werbung diktieren und die Wirtschaft zu deren Überwachung verpflichten. Damit würde sich der Werberat in ein "staatlich gelenktes Ausführungsorgan" verwandeln.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP