Berlin - "Wenn Einkommensschwache die bestehende Riester-Rente nicht ausreichend in Anspruch nehmen, muss man in den nächsten Jahren über eine Pflichtabsicherung mit einem einkommensabhängigen Steuerzuschuss nachdenken", sagte Lauterbach der "Berliner Zeitung". Nur so sei es möglich, sozial Schwache vor Altersarmut zu bewahren. Der Abschluss von Riester-Renten ist gegenwärtig freiwillig und wird vom Staat gefördert.
Um die hohen Lohnzusatzkosten in Deutschland zu mindern, regte Lauterbach eine teilweise Finanzierung des Gesundheits- und Pflegesystems aus Steuergeldern an. "Langfristig sind auch Steuerzuschüsse - ähnlich wie heute bei der Rentenversicherung - denkbar, um die Lohnzusatzkosten zu senken", sagte er. Solche Zuschüsse seien jedoch nur vertretbar, wenn sie ohne neue Schulden des Bundes solide finanziert würden, betonte Lauterbach.
Raffelhüschen erwartet Rentenkürzung
Der Freiburger Finanzwissenschaftler und Rentenexperte Bernd Raffelhüschen rechnet mit einer Senkung der Renten im nächsten Jahr. "Wenn die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland sich so abschwächt, wie es die Europäische Kommission voraussagt, dann wäre eine Kürzung nicht nur notwendig, sondern auch sinnvoll", sagte Raffelhüschen der "Rheinischen Post". Er ist wie Lauterbach Mitglied der Rürup-Expertenkommission zur Reform der Sozialsysteme
Raffelhüschen erwartet zudem einen Anstieg der Rentenbeitragssätze schon in diesem Jahr. Er halte es für unmöglich, dass die Rentenbeiträge stabil blieben, sagte er dem Blatt. "Spätestens im November steigen die Sätze. Da geht kein Weg daran vorbei", prophezeite er. Die von Sozialministerin Schmidt (SPD) mit der jüngsten Rentenreform auf 20 Prozent einer Monatsausgabe reduzierte Schwankungsreserve könne das Rentenloch nicht stopfen. "Das Geld ist schnell aufgefressen, die Absenkung war der größte Fehler der Reform", sagte Raffelhüschen.
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