Wirtschaft



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15.04.2005
 

H&M-Konkurrenz

Castro mischt Köln auf

Von Hannes Alpen

Die israelische Modekette Castro sagt H&M hier zu Lande den Kampf an. Seit einem halben Jahr wildert der Neuling im Kundenrevier des schwedischen Klamottenkonzerns. Kräftig unterstützt wird Castro dabei von dem Handelsgiganten Otto.

Castro-Filiale: 40 bis 50 weitere Geschäfte sollen folgen
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Castro/phrank.net

Castro-Filiale: 40 bis 50 weitere Geschäfte sollen folgen

Im September 2004 eröffnete die Modekette Castro in Köln ihre erste Filiale in Deutschland; 40 bis 50 weitere Geschäfte sollen folgen. Damit wagt das Traditionsunternehmen aus Israel den ersten Schritt ins internationale Einzelhandelsgeschäft. Das Risiko scheint dabei kalkulierbar, denn Castro hat diesen Schritt nicht allein unternommen; vielmehr ging die Initiative von der Hamburger Otto Group aus.

Otto, größtes Versandhaus der Welt, ist mit der Castro Model Ltd. ein Joint Venture eingegangen. Castro liefert sowohl Ladenkonzept, Kollektion als auch Marketingstrategie, Otto bringt seine lokale Marktkenntnis, Standort- und Personalauswahl sowie Logistik ein. Dabei hält Otto 51 Prozent der Anteile.

Erprobte Partnerschaft

"Mit Castro stärken wir erneut unsere Präsenz im stationären Einzelhandel und damit eine wichtige Säule unseres Multi-Channel-Vertriebskonzeptes", berichtet Brita Hemme, Sprecherin der Otto Group. Weiterhin wird Castro-Mode, mit der Otto schon seit mehreren Jahren beliefert wird, auch über den Versandhandel vertrieben. Das Konzept für den Einzelhandel hat Otto bereits erprobt: Die spanische Marke Zara wurde so auf dem deutschen Markt etabliert.

In Deutschland hat im letzten Jahrzehnt besonders die schwedische Modekette H&M den Markt aufgemischt. Die billig in Asien produzierte junge Mode hat etablierte Marken zurückgedrängt. Da Castros Zielgruppe, die 15- bis 29-Jährigen, sich mit der von H&M überschneidet, kommt Castros Markteintritt einer Kampfansage gleich.

50 Jahre im Geschäft

Castro, heute Israels führende Modekette, ist ein Unternehmen mit über 50-jähriger Tradition. Aaron Castro, geboren in Thessaloniki, wanderte 1933 mit seiner Familie nach Israel aus. In der Familie gehörte der Umgang mit Textilien zum Alltag. Aarons Mutter hatte in Griechenland Modedesign studiert und gleich nach der Ankunft in Israel eine erste Boutique aufgemacht.

Nach seinem Armeedienst eröffnete Aaron Anfang der Fünfziger Jahre ein kleines Geschäft in Tel Aviv. Auch seine Mutter stellte er dort an. Daraus entwickelte sich eine kleine Modefabrik im Keller des Hauses, die immer erfolgreicher ihre Ware an Boutiquen und Modeketten in Israel abgab. Castro konnte sich in Israel als junge Marke etablieren, seinen Absatz ausbauen und begann, in den Siebziger Jahren erfolgreich nach Europa zu exportieren.

Rückschlag in den Achtzigern

Die Achtziger brachten jedoch eine herbe Ernüchterung. Die Mode wurde stärker als sonst von Paris aus dominiert. Israel erlebte eine Wirtschaftskrise. Der Textilexport nach Europa kam fast zum Erliegen. Castro konzentrierte sich auf das Inlandsgeschäft.

1985 eröffnete das Unternehmen die erste Filiale in Tel Avivs Haupteinkaufsstraße Dizengov. Das Geschäft wurde zum Zugpferd des Unternehmens. Von nun an konzentrierte sich Castro auf den eigenen Vertrieb der Ware. Damit begann eine Entwicklung, die bis heute 78 Filialen in Israel hervorgebracht hat. 1992 ging das Unternehmen an die Tel Aviver Börse, was die nötige finanzielle Grundlage für diese Expansion gewährleistete. Mit 64 Prozent der Anteile blieb die Führung von Castro in den Händen der Familie.

Produktion an Billigstandorten

Das Unternehmen profitierte lange von hohen Importzöllen auf ausländische Textilien (bis zu 42 Prozent). Als die Zölle im Jahre 1997 drastisch gesenkt wurden, sah sich das Unternehmen einer ungewohnten Konkurrenz gegenüber. Castro verlagerte die Produktion zum Teil ins billigere Ausland, in die Türkei und nach Ostasien, und konnte so das Image von "qualitativ hochwertiger junger Mode zu günstigen Preisen" festigen.

Für Castro scheint der Schritt ins internationale Einzelhandelsgeschäft logisch, da die in Israel erreichte Ladendichte wohl kaum mehr Expansionspotenzial bietet. Bisher steht aber noch nicht fest, wo und wann die nächste Filiale in Deutschland eröffnet werden soll. Für erste Aussagen, wie das Geschäft angelaufen ist, sei es noch zu früh, heißt es bei Otto. Zurückhaltung ist das Gebot. Vielleicht auch, weil am 1. Januar 2005 in Europa und den USA die Einfuhrbeschränkungen für Textilwaren aus China, dem bereits jetzt mit Abstand größten Bekleidungsexporteur der Welt, aufgehoben worden sind.

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