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Skandal um US-Bestattungen Die kleinen Taktlosigkeiten der Sterbe-Multis

2. Teil: Teil zwei: Extrabreiter Sarg "Dimensions" als Antwort auf die neue Körperfülle

Die Vorwürfe lesen sich wie ein Auszug aus der TV-Serie "Six Feet Under". Die Großbestatter hätten die Billigkonkurrenz ausgebootet, zum Beispiel, indem sie sie vom Nachschub mit Batesville-Särgen abgeschnitten hätten, die offenbar der Schlager sind im Trauergeschäft. Sie hätten Renner wie Costco oder Internet-Bestatter, die oft ein Sechstel verlangten, bei Kunden schlecht gemacht, etwa so: "Bloß keinen Sarg online kaufen - er könnte ja aus Mexiko sein!" Sie hätten Sargpreise "künstlich nach oben" getrieben. Sie hätten Hinterbliebenen "aufgelauert" und ausgenutzt, dass sie "unter schwerem Gefühlsstress und Zeitdruck litten".

Zum Beispiel Gloria Jaccarino Bender und Anthony Jaccarino aus Long Island: Die hätten ihre Mutter eigentlich einäschern wollen, doch ein SCI-Bestattungshaus habe sie zum Kauf eines 2095 Dollar teuren Designersargs genötigt. Schlimmer noch sei es Robert Chitel aus New York ergangen: Der habe am Tag nach dem Tod seiner Frau 7395 Dollar für das Batesville-Modell "Judah" hinblättern müssen.

"Emotionales Geldrauswerfen vermeiden"

Wie die Affäre auch ausgeht: Sie wirft ein Schlaglicht auf die gar nicht friedvollen Zustände in der Letzte-Ruhe-Industrie. Familienbetriebe stehen unter Druck, immer mehr werden von den Corporations geschluckt. Auch deren Leben wird schwer: Die fallende Sterberate, schwindende Lust an traditionellen (teuren) Begräbnissen und sieche Profitmargen verderben den Herren in Schwarz das Lachen.

"Das Bilanzjahr 2004 war kein gutes Jahr für uns", schrieben die Hillenbrand-Chefs Ray Hillenbrand und Frederick Rockwood in ihrem letzten Bericht an die Aktionäre. Und das, obwohl Hillenbrand-Tochter Batesville "als Antwort auf den wachsenden Körperumfang des Durchschnitts-Amerikaners" ein neues Modell mit "geräumigerem Interieur" einführte: "Dimensions", 66 bis 71 Zentimeter extrabreit.

Bis es, wenn überhaupt, zum Prozess um den mutmaßlichen Sargschwindel kommt, müssen sich Angehörige selbst trösten. Die US-Handelskommission FTC hat dazu jetzt eine hilfreiche Broschüre herausgegeben, um den Trauernden den schweren Gang zu erleichtern. Deren Ratschläge: "Vorausplanen - und emotionales Geldrauswerfen vermeiden."

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