Von Matthias Streitz
Shanghai, Taipeh, Dubai - wenn der Bau von schwindelerregend hohen Gebäuden für Schlagzeilen sorgt, liegt der Schauplatz derzeit meist in den Ölstaaten Arabiens oder in Ostasien.
Erst vor fünf Monaten wurde in Taiwan mit einem Feuerwerk-Spektakel das weltgrößte Gebäude "Taipei 101" eingeweiht; es misst 508 Meter. In Shanghai aber wird schon ein noch größerer Protzbau geplant. Und ab Ende 2008 soll das höchste Hyper-Hochhaus der Welt, Burj Dubai genannt, dann am Persischen Golf emporragen - falls bis dahin niemand sonst in die architektonische Rekordjagd einsteigt.
Alle drei Standorte haben eines gemeinsam: Sie haben in den letzten Jahrzehnten eine Prosperität erlangt, die dort bisher unbekannt war. Und wenn die Wirtschaft boomt, streben meistens auch die Häuser himmelwärts.
Dieser Zusammenhang zwischen Prunk-Architektur und neuem Reichtum lässt sich in vielen Weltstädten bestaunen. Er lässt sich auch an den Ranglisten ablesen, die der Darmstädter Gebäudespezialist Emporis.com regelmäßig aktualisiert errechnet. Die Firma, die Gebäudedaten an Banken und andere Profikunden verkauft, bietet auf ihrem Web-Angebot, das gerade erweitert wird, diverse Statistiken rund ums Thema Wolkenkratzer gratis an. Darunter findet sich auch ein regelmäßig aktualisiertes Ranking derjenigen Städte auf der Welt, in denen die meisten hohen Gebäude stehen.
Mumbai schlägt Berlin und Frankfurt
In den Top fünf der hochhausreichsten Städte finden sich laut Emporis-Zählung gleich drei ostasiatische Metropolen. So kam die Sieben-Millionen-Einwohner-Metropole Hongkong zuletzt auf 7422 hohe Gebäude und hat damit New York City (5445) längst klar hinter sich gelassen. Auch Singapur (Platz drei) und Seoul (Platz fünf) können mit eindrucksvollen Skylines prunken - die eine Stadt zählt 3503 Hochhäuser, die andere 2831. (*)
Auch ein Blick auf die Top 25 zeigt: Nirgendwo haben neuer Wohlstand und Skyscraper-Manie die Silhouetten der Städte so verändert wie in Asien. So findet sich hinter offensichtlichen Verdächtigen wie Tokio und Shanghai auch Mumbai auf der Liste. Dank ihrer inzwischen 529 Hochhäuser liegt die indische Stadt (ehemals Bombay) auf Platz 22, noch vor dem kanadischen Vancouver und weit vor Frankfurt am Main und Berlin, die gar nicht in den globalen Top 25 auftauchen. So dokumentiert Mumbai den Anspruch, zur Schnittstelle der IT-Industrie in Mittelasien zu avancieren.
Träume in Caracas
Natürlich ist die Höhe der Gebäude nicht immer ein verlässlicher Indikator für wirtschaftliche Potenz. Oft dokumentieren Skylines mit hunderten Hochhäusern auch eines: vorschnelle Hoffnungen auf einen Aufschwung, der dann doch nie kam oder rasch wieder endete. So landen auch sechs Großstädte vom Krisenkontinent Lateinamerika in den Top 25 - darunter Rio de Janeiro (Platz acht) und Caracas (Platz 17).
In anderen Fällen verzichten reiche Regionen aus gutem Grund darauf, ihre Städte mit Wolkenkratzern vollzustellen: In den Metropolen Europas etwa legen die Architekten angesichts gewachsener Altstädte meist weniger Wert darauf, Wohlstand durch schiere Größe auszudrücken: Nur fünf der Top-25-Städte liegen auf dem alten Kontinent - Istanbul, London, Madrid, Mailand und das neureiche Moskau. (Berlin bringt es laut Emporis auf 312 Hochhäuser, Frankfurt am Main nur auf 276. Hamburg hat 157, München 120.)
Die USA, wo zumindest die jüngeren Städte eher in die Breite denn in die Höhe wachsen, sind gar nur zwei Mal vertreten: außer New York schafft es nur Chicago in die vorderen Regionen der Rangliste (Platz 12, 1040 Hochhäuser). Los Angeles fehlt - zwar gibt es Downtown eine Zone mit 200-Meter-Monstern, der Rest der Stadt aber besteht vor allem aus Flachbauten.
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