Düsseldorf - Schon seit Monaten buhlte der britische Investor Guy Hands um den Zuschlag für Viterra. Erfahrung auf dem deutschen Markt hat er: Im Jahr 2001 hatte er für 2,1 Milliarden Euro 11 regionale Eisenbahn-Wohnungsgesellschaften mit insgesamt 64.000 Wohnungen erworben. Damals ein wegweisender Deal: Seitdem haben immer mehr ausländische Finanzinvestoren ihm nachgeeifert und im großen Stil deutsche Wohnungsgesellschaften von Konzernen oder klammen Kommunen übernommen.
Mit dem jetzigen Deal meldet sich der Trendsetter Hands zurück - im ganz großen Stil. Mit einem Verkaufswert von sieben Milliarden Euro sprengt der Viterra-Verkauf alle bisher bekannten Dimensionen in der Branche - und platzt mitten in die "Heuschrecken"-Debatte über das Gebaren angelsächsischer Finanzinvestoren in Deutschland.
Offizieller Käufer ist die Deutsche Annington, der auch die Eisenbahner-Wohnungen gehören. Sie wiederum ist eine Tochter von Hands' Private-Equity-Gesellschaft Terra Firma, der in Deutschland seit Ende 2004 unter anderem auch Tank & Rast gehört.
E.ON hatte im vergangenen Jahr erstmals angedeutet, dass die Immobilientochter Viterra zum Verkauf steht. Zwischenzeitlich war auch ein Börsengang im Gespräch. Die Deutsche Bank hatte sich offensiv bemüht, ein Mandat dafür zu erhalten, und zieht nun den Kürzeren.
E.ON teilte mit, der eigentliche Kaufpreis für das Viterra-Eigenkapital betrage vier Milliarden Euro. Außerdem übernehme der Käufer aber Nettofinanzschulden und Rückstellungen im Wert von drei Milliarden Euro. Durch die Transaktion vergrößert die Deutsche Annington ihr Immobilienportfolio in Deutschland - ihr gehören nun knapp 230.000 Wohneinheiten. Damit ist sie das größte Immobilienunternehmen Deutschlands.
E.ON erwartet aus dem Deal für das laufende Geschäftsjahr einen Gewinn in Höhe von 2,4 Milliarden Euro. Die Aktie der E.ON AG stieg nach der Pflichtmitteilung am Nachmittag zuletzt um 1,12 Prozent auf 66,65 Euro. Damit war sie Spitzenreiter im Dax.
Viterra hatte zum Jahreswechsel 138.000 Wohneinheiten in seinem Bestand. 2004 setzte die Gesellschaft 988 Millionen Euro um und verdiente dabei 297,7 Millionen Euro. Für die Mitarbeiter und Mieter werde sich durch den Verkauf nichts ändern, sagte E.ON-Chef Wulf Bernotat.
Die Deutsche Annington setzt darauf, die im Paket erworbenen Wohnungen einzeln weiterzuverkaufen und damit einen Profit zu erzielen. Typischerweise führt sie einige Modernisierungen an den Wohnungen durch und verkauft sie dann an die Mieter weiter. So wurden 2002 nach Unternehmensangaben 10.000 Wohnungen überwiegend durch Mieterkäufe privatisiert. Der Investor beteuert aber, es gebe für die Mieter keinen Zwang, die Wohnungen zu übernehmen. Die Annington hat nach eigener Mitteilungen eine Selbstverpflichtung "zur sozialverträglichen Gestaltung von Wohnungsprivatisierungen" abgegeben.
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