Eichels Haushaltsrisiken
Ein schwarzes Loch namens Hartz IV
Rot-Grüns Arbeitsmarktreform Hartz IV entwickelt sich zum größten Risiko im ohnehin löchrigen Haushalt von Finanzminister Hans Eichel. Das Wirtschaftsministerium rechnet damit, dass sich die Mehrausgaben für Langzeitarbeitslose dieses und kommendes Jahr auf 20 Milliarden Euro summieren.
DDP
Protest gegen Hartz IV: Reform mit kleinen Fehlern
Berlin - Mit den bereits bekannten
Einnahmeausfällen von fünf Milliarden Euro müsste Eichel damit eine
Etatlücke von knapp 15 Milliarden Euro schließen. In der Koalition wurde das absehbare Haushaltsloch bisher auf
neun bis zwölf Milliarden Euro geschätzt, die Opposition geht von 15
bis 20 Milliarden aus. Rot-Grün will dennoch versuchen, die
Neuverschuldung bei den angesetzten 22 Milliarden Euro zu halten.
Das gilt aber als schwieriges Unterfangen. Die Einhaltung der
Euro-Defizitgrenze ist ebenso fraglich.
Die Haushaltslücken und -risiken im Einzelnen:
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Hartz IV: Die Ausgaben für das neue
Arbeitslosengeld II sind höher als erwartet, weil die Zahl der
Leistungsempfänger falsch kalkuliert wurde. Allein von Januar bis
April musste der Bund knapp acht Milliarden Euro für den Unterhalt
der Langzeitarbeitslosen überweisen, fast doppelt so viel wie
geplant. Im Haushalt ist lediglich eine monatliche Ausgabenrate von
1,2 Milliarden Euro einkalkuliert. Laut SPIEGEL-Informationen könnte sich die notwendige Summe für 2005 und 2006 auf insgesamt 20 Milliarden euro belaufen. Allerdings ist bei den
Unterkunftskosten Entlastung in Sicht, möglicherweise in
Milliardenhöhe.
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Bundesagentur für Arbeit : Sie wird sehr wahrscheinlich nicht
mit dem angedachten Bundeszuschuss von vier Milliarden Euro
auskommen. Abstriche bei der Konjunktur, aber vor allem die
gesunkene Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten
schlagen hier negativ zu Buche. Der Mehrbedarf der BA könnte in die
Milliarden gehen.
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Bundesbangewinn: Er fiel um 1,3 Milliarden Euro geringer aus
als von Eichel erwartet und riss ein erstes Loch in den Etat. Nach
eigenen Angaben konnte Eichel diese Lücke jedoch auffangen.
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Mindereinnahmen: Die jüngste Steuerschätzung hat Eichel
weiter unter Druck gesetzt. Durch die schwächere Konjunktur wird der
Bund 3,5 Milliarden Euro dieses Jahr weniger Steuern einnehmen als
erhofft.
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Tabaksteuer: Sie dürften niedriger ausfallen, weil
Raucher - um zu sparen - Zigaretten im Ausland oder auf dem
Schwarzmarkt kaufen. Eichel muss hier eine Mindereinnahme von bis zu
einer Milliarde Euro fürchten.
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Rente: Auf Grund des Konjunkturknicks und der von
Experten prognostizierten schlechten Entwicklung bei den
Beitragseinnahmen könnte am Ende des Jahres 2005 ein zusätzlicher
Bundeszuschuss notwendig werden. Das Risiko wird auf eine Milliarde
Euro beziffert.
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Verkauf von Staatseigentum: Fraglich ist, ob die von Eichel
angesetzten 17 Milliarden Euro aus Privatisierungserlösen in
angesetzter Höhe hereinkommen. Dies gilt auch für den
Post-Telekom-Deal zum Verkauf von Pensionsansprüchen des Bundes an
die beiden ehemaligen Staatsunternehmen, die 5,45 Milliarden Euro
bringen sollten.
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20-Punkte-Programm: Als wachstumsfördernde
Maßnahme hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder vor dem Job-Gipfel
angekündigt, für Infrastrukturmaßnahmen dieses Jahr 500 Millionen
Euro zusätzlich auszugeben. Woher das Geld kommen soll, ist bisher
unklar.
DER SPIEGEL
Grafik: Arbeitslosengeld II
Das Finanz- und das Wirtschaftsministerium wollte die Zahl von 15 Milliarden Euro
nicht bestätigen. Beide Ressorts wiesen darauf hin,
dass es für entsprechende Hochrechnungen noch viel zu früh sei. Der
Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Stefan Giffeler, sprach von
einem "Horrorszenario", das wohl "eher dem Wahlkampf in
Nordrhein-Westfalen geschuldet" sei. Zugleich räumte er aber ein,
dass es "massive Risiken" im laufenden Haushalt gebe. Darauf hat
auch Eichel schon wiederholt hingewiesen.