Düsseldorf - Er halte eine Verlängerung der Restlaufzeiten für Atomkraftwerke für wahrscheinlich, sagte Klaus Rauscher, Europa-Chef des vor allem in Norddeutschland aktiven Versorgers. Aus seiner Sicht wäre das auch ein Akt der ökonomischen Vernunft, wie er im "Handelsblatt" durchblicken ließ: "Im Falle eines Wahlsieges der Union würden in Bezug auf die Stromwirtschaft die ökonomischen Aspekte gegenüber den ökologischen wieder stärker in den Vordergrund gerückt."
Eine CDU-geführte Regierung, sagte Rauscher, würde wohl außerdem die Subventionen für die Windkraft verringern. Der Vattenfall-Mann fügte an, auch bei einem CDU-Wahlsieg sei kaum an den Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland zu denken.
Auch an den Börsen wetten Händler schon auf einen CDU-Wahlsieg - und darauf, dass er den großen Stromkonzernen helfen könnte. Die Aktien von E.ON führten mit einem üppigen Kursgewinn von 3,87 Prozent auf 69,85 Euro den Dax an, RWE legte 3,1 Prozent auf 48,63 Euro zu. Händler sprachen allerdings von einem "teils übertriebenen" Kursanstieg.
Nach dem im Sommer 2001 unterzeichneten Atomausstiegskompromiss dürfte das letzte der derzeit noch 17 Atomkraftwerke 2021 vom Netz gehen. In Kreisen der Atomwirtschaft wurden bereits Rechnungen über längere Laufzeiten von Atomkraftwerken aufgestellt. Die Anlagen sind weitgehend abgeschrieben und produzieren billigen Strom. Vor allzu großem Optimismus bei einem Regierungswechsel wurde aber gewarnt.
Vertreter von E.ON und RWE wollten sich nicht zu möglichen Szenarien nach einem Regierungswechsel äußern. Zum Atomkonsens sagte ein RWE-Sprecher lediglich: "Es gibt die Vereinbarung zum Atomausstieg. Wir halten uns an Recht und Gesetz." Bereits früher hatten die vier großen Atomkraftwerksbetreiber erklärt, aus technischen, ökonomischen und ökologischen Argumenten gebe es keinen Grund für den Ausstieg.
Solar-Aktien brechen weg
Ein möglicher Regierungswechsel in Berlin brachte dagegen die Aktien von Solarenergieanbietern unter Druck. Händler sagten, es werde darauf spekuliert, dass die Solarenergie unter einer neuen Bundesregierung weniger hoch im Kurs stehen könnte. "Das ist alles reine Psychologie", sagte ein Händler. Die im TecDax notierten Papiere von Solarworld brachen um 13,5 Prozent auf 98,50 Euro ein. Allerdings haben die Aktien des Bonner Konzerns in den vergangenen zwölf Monaten fast 470 Prozent zugelegt und sind mit großem Abstand der größte Gewinner im TecDax.
Die Aktien des Börsenneulings Conergy, deren Aktien als Kandidat für den TecDax gelten, verloren 5,5 Prozent auf 69 Euro. Die Aktien von Sunways, die in keinem Index gelistet sind, rutschten um 19 Prozent auf 11,30 Euro.
Solarfirmen profitieren derzeit von gesetzlichen Regelungen der SPD-geführten Bundesregierung, wonach Strom aus alternativen Energien von den Elektrizitätswerken zu einem festen, lukrativen Preis abgenommen werden muss. Die Solarwirtschaft erwartet dabei zunächst keine gravierenden Veränderungen. "Photovoltaik ist High-Tech, darauf will auch die Opposition nicht verzichten. Außerdem sind die Opposition und die Regierung in Berlin bei der Solarenergie nicht so weit auseinander", sagte Carsten Körnig, Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS), die rund 500 Firmen der Branche vertritt.
Analysten glauben, dass es nach dem erfolgreichen Kapitalmarktdebüt des Solarfirma Conergy nun keine weiteren Börsengänge von Solarfirmen geben wird. "Für Solarfirmen ist das Thema Börsengang in diesem Jahr im Grunde gelaufen. In diesem Umfeld wird niemand in diesen Bereich investieren wollen, und die Banken werden nicht bereit sein, das Risiko auf sich zu nehmen", sagte Klaus Rainer Kirchhoff, Chef einer Consultant-Firma, die Unternehmen bei Börsengängen berät.
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