Simyo-Logo: Andere Billigmarken werden folgen
Hamburg/Düsseldorf - Service, subventionierte Handys, 24-Stunden-Hotline oder Filialen gibt es bei Simyo nicht. Der neue Discounter setzt ganz auf den Preis. Gespräche kosten 0,19 Euro je Minute, für alle Anrufe innerhalb Deutschlands. Für SMS berechnet Simyo 0,14 Euro. Die Prepaid-Karten des Billigheimers sind ausschließlich über das Internet erhältlich. E-Plus-Chef Uwe Bergheim erklärte bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf, das Simyo-Modell sei vergleichbar mit dem Prinzip der sogenannten No-Frills-Anbieter im Airline-Markt. Der Kunde verzichte auf Extras, dafür fliege er zum Sparpreis.
Als erster deutscher Mobilfunkanbieter folgt E-Plus damit dem Vorbild von Anbietern wie Easymobile (Großbritannien) und Telmore (Dänemark). Diese verkaufen ihre Simkarten ohne Schnickschnack zu Tarifen, die deutlich unter denen etablierter Anbieter wie Vodafone oder TDC liegen. In Dänemark hat der Siegeszug der Handy-Discounter die Preise des gesamten Marktes deutlich gedrückt. Bereits sechs Monate nach Telmores Debüt fiel der durchschnittliche Minutentarif von 17 auf 9 Cent, hat die Kopenhagener Beratungsfirma Strand Consult errechnet. Inzwischen haben Discounter in Dänemark 23 Prozent Marktanteil, bei SMS sind es sogar 30 Prozent.
Auf dem gesättigten deutschen Mobilfunkmarkt dürfte es eine ähnliche Entwicklung geben. Simyo-Chef Rolf Hansen erklärte, er sehe deutschlandweit ein Potential von 15 Millionen Discountkunden. Simyo wird von einer eigenständigen Gesellschaft vertrieben, an der E-Plus mit 90 Prozent beteiligt ist. Die restlichen Anteile werden vom Simyo-Management gehalten. Das Unternehmen beschäftigt knapp 30 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in Düsseldorf.
Monatelang hatten sich die vier deutschen Netzanbieter (T-Mobile, Vodafone, E-Plus, O2) nur misstrauisch beäugt. Durch E-Plus' Vorpreschen geraten die Konkurrenten nun unter Druck. Vodafone
hat in der Vergangenheit bereits ein eigenes Discount-Angebot erwogen und könnte bald nachziehen. T-Mobile arbeitet in Großbritannien bereits mit dem Anbieter Easymobile zusammen. Insofern wäre denkbar, dass der deutsche Marktführer auch hierzulande mit der Londoner Firma kooperiert. Easymobile hat bereits angekündigt, auch in Deutschland an den Start gehen zu wollen.
Beobachter befürchten, dass Deutschland ein ruinöser Preiswettbewerb bevorsteht. Zum einen könnten zahlreiche Vertragskunden, die bereits ein Handy besitzen, zu den Billigheimern wechseln. Zum anderen dürften mittelfristig auch die Vertragstarife sinken. E-Plus will Simyo-Kunden vor allem bei den Konkurrenten einsammeln. An eine Kannibalisierung der eigenen Premiummarke glaubt das Unternehmen nicht. "Wir haben mehr zu gewinnen als zu verlieren", sagte Bergheim. Mit 72 Millionen Mobilfunkkunden seien die Boomjahre in Deutschland vorbei, begründete Bergheim den Start der Billigmarke. "Der Markt ist reif für eine Segmentierung."
Thomas Hillenbrand
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH