Hamburg - Auf dem Weg zum europäischen Transport-Logistikunternehmen muss die Deutsche Bahn einen herben Rückschlag hinnehmen. Nachdem sich der Schienenkonzern zuletzt in Holland, Italien und Dänemark im Güterverkehr eingekauft hat, droht nun die Konkurrenz in Form der französischen Staatsbahn SNCF zurückzuschlagen.
Anfang Juni verkaufte der Reiseanbieter TUI für rund 600 Millionen Euro seine Beteiligung an dem Kesselwagenbetreiber VTG an den amerikanisch-französischen Finanzinvestor IPE-Ross. Der Private-Equity-Firma gehört, gemeinsam mit SNCF, bereits ein Hauptkonkurrent der VTG, der Spezialwaggonvermieter Ermewa. Bei der Deutschen Bahn, die selbst keine Kesselwagen besitzt, befürchtet man nun, dass die beiden Gütertransportgesellschaften mittelfristig in den Besitz der SNCF geraten - und die Franzosen mit ihren Spezialwaggons monopolartig auf den deutschen Güterverkehrsmarkt drängen könnten, während aber die Bahn de facto auf dem abgeschotteten französischen Schienennetz nicht aktiv werden kann.
"Mit dem potentiellen Zusammenschluss von Ermewa und VTG entstünde ein Vermieter von Tankwagen von möglicherweise marktbeherrschender Stellung", heißt es in einem internen Bahn-Papier, das dem SPIEGEL vorliegt. Die Deutsche Bahn, bislang einer der wichtigsten Kunden der VTG, hätte die Firma am liebsten selbst übernommen - jedoch wohl kaum zu dem von IPE gezahlten Preis. Bei der Bahn fürchtet man nun, dass die neuen Eigentümer künftig die Mietpreise für die VTG-Waggons deutlich anheben könnten, um den hohen Kaufpreis zu finanzieren.
Besonders pikant: Die EU-Kommission in Brüssel hatte erst kürzlich Finanzbeihilfen des französischen Staates in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an die hochdefizitäre Frachtsparte der SNCF genehmigt. Allerdings nur unter der Auflage, dass die Staatsbahn mit dem Geld nicht auf Einkaufstour geht. Ein Bahn-Insider: "Jetzt kommen sie halt durch die Hintertür."
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