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29.06.2005
 

US-Restaurantkette Applebee's

"Finger im Salat"-Affäre drückt Aktie

Eine Kundin in den USA hat die Restaurantkette Applebee's verklagt, weil sie angeblich eine Fingerkuppe nebst Fingernagel in ihrem Salat gefunden hat. Ihr Anwalt sagt, er bewahre das Corpus Delicti noch immer in seinem Kanzleikühlschrank auf. Die Börse reagiert angewidert.

Applebee's-Filiale in Overland Park, Kansas: Nicht nur für Vegetarier eine unappetitliche Geschichte
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AP

Applebee's-Filiale in Overland Park, Kansas: Nicht nur für Vegetarier eine unappetitliche Geschichte

Hamburg - Allmählich kommt es in den USA in Mode, Restaurantketten wegen echter oder vermeintlicher Finger-Funde zu beschuldigen. Erst vor drei Monaten hatte die Amerikanerin Anna Ayala aus Las Vegas den Burger-Brater Wendy's vor Gericht gezerrt. Sie habe aus einer Schüssel mit Chili einen menschlichen Finger herausgelöffelt und sei nun schlimmstens traumatisiert, behauptete sie. Erst später stellte sich heraus: Die abgetrennte Fingerkuppe war zwar echt, die Geschichte mit dem Chili con carne aber erstunken und erlogen.

Doch erst einmal zum aktuellen Fall: Wieder klagt eine Frau, dieses Mal heißt sie May Deal Chambers Johnson und stammt aus Jefferson Parish im US-Staat Louisiana. Die Klage richtete sich gegen Applebee's, eine der größten Familienrestaurantketten der USA mit immerhin 1700 Filialen landesweit und Hauptsitz in einem drögen Vorort des kaum weniger drögen Kansas City. Die Klage wurde vergangene Woche in einem Staatsgericht eingereicht.

Johnson sagt, sie habe den Finger vor gut einem Jahr, am 25. Juni 2004, in ihrem Mitnehm-Salat entdeckt. Ihr sei sofort "heftig schlecht" geworden. Sie sei so mitgenommen von dem Zwischenfall, dass sie seitdem Restaurants meide und sich außerdem beim Angsttherapeuten angemeldet habe. Dass sie die Klage erst jetzt einreiche, liege allein daran, dass ihr die Tragweite ihrer Traumatisierung erst später bewusst geworden sei.

Fingerkuppen aus zweiter Hand

Johnson hat schon jetzt ein Problem: Nach dem Fall mit Wendy's glaubt ihr niemand so recht - und jeder vermutet, sie sei allein auf US-typisch üppige Schadenersatzsummen aus. Die Berichte in der US-Presse jedenfalls sind allesamt mit spöttisch-skeptischem Unterton verfasst. Ihr Anwalt, Michael Darnell, ahnte das wohl. Vorsichtshalber teilte er mit, das Beweisstück sei mitnichten verschluckt oder weggeworfen worden - er verwahre es im Kühlschrank seiner Kanzlei auf.

Immerhin die Börse war beeindruckt. Gestern, als der Fall bekannt wurde, rutschte die Applebee's-Aktie an der Nasdaq prompt um 3,2 Prozent ab. Die Händler erinnerten sich wohl daran, dass der berüchtigte "Chili-Finger-Zwischenfall" Wendy's durchaus handfest geschadet hatte: Im betreffenden Quartal fiel der Profit der Kette um 2,8 Prozent, weil Kunden vor lauter Ekel und Misstrauen lieber anderswo speisten.

Anna Ayala, die Dame aus dem Wendy's-Fall, ist inzwischen übrigens selbst verklagt worden - wegen versuchten Betrugs. Anwälte der Gegenseite waren schnell misstrauisch geworden, als sich herausstellte, dass Ayala schon mehrfach höchst zweifelhafte Vorwürfe gegen höchst zahlungskräftige Konzerne erhoben hatte.

Bald darauf klärte sich auch die Herkunft des fraglichen Fingers: Ein Kollege von Ayalas Mann hatte ihn bei einem Arbeitsunfall verloren. Der Gatte der Klägerin kaufte die Kuppe, reichte sie an seine Frau weiter - und die schmuggelte sie schließlich in ihre Schüssel mit Chili. Guten Appetit weiterhin.

Matthias Streitz

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