Wirtschaft



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13.07.2005
 

Deutsche Innovationsfibel

Land der alten Ideen

Von Tom Hillenbrand

Deutschland ist das Land der Erfinder. Um Zweifel an dieser These auszuräumen, haben Bundesregierung und Industrie eine Innovationsfibel drucken lassen. Das wunderliche Büchlein soll belegen, was die Welt dem Deutschen angeblich so alles verdankt: den Airbag, das Aspirin, die Kirchenspaltung und den luftleeren Raum.

Erfinderfibel: "Mensch ärgere Dich nicht" als Pionierleistung
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Initiative "Partner für Innovation"

Erfinderfibel: "Mensch ärgere Dich nicht" als Pionierleistung

Hamburg - Wer hat's erfunden? Die Deutschen! So in etwa lautet die Botschaft der neuen Broschüre "Deutsche Stars. 50 Innovationen, die jeder kennen sollte". Das Heftchen listet auf, was der Deutsche im Laufe der Jahrhunderte so alles ersonnen hat. Das Düsentriebwerk? Hans von Ohain, 1936. Der Kaffeefilter? Melitta Bentz, 1908. Das Bier? Wilhelm IV. von Bayern, 1516.

Nun erfindet der Deutsche in letzter Zeit nicht mehr so viel wie früher. Das sorgt auch den Kanzler, und deshalb hat Gerhard Schröder (SPD) bereits 2004 die Initiative "Ideen erfolgreich machen" angeschoben. Deren jüngstes Produkt ist die Fibel. Mit ihrer Revue der "Highlights des deutschen Ideen- und Erfindergeistes" (Pressetext) möchte das Innovationsbündnis den Deutschen "Mut machen", so Sprecher Lars Heitmüller. Finanziert wird die Wohlfühlbroschüre vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) sowie den Dax-Konzernen Schering Chart zeigen und ThyssenKrupp Chart zeigen. Die Auflage liegt bei 50.000 Stück.

Diesel, Luther, ... Bismarck?

Kurzweilige Lektüre ist die Fibel allemal. Zwar überrascht es nicht, dass der Dieselmotor aus Deutschland kommt (Rudolf Diesel, 1890), aber vermutlich kennt nicht jeder den Dresdner Apothekers Ottomar Heinsius von Mayenburg (1907), den Erfinder der Zahnpasta. Oder Emil Berliner, der 1887 den Plattenspieler erdachte.

Allerdings findet sich in der Übersicht der 50 Stars auch reichlich Seltsames. So listet die "aufwendig recherchierte" (Heitmüller) Broschüre beispielsweise den Deutschen Otto von Guericke als Erfinder des Vakuums auf. Das ist natürlich hanebüchener Blödsinn. Selbst die Entdeckung des luftleeren Raums kann der Deutsche nicht für sich reklamieren. Diese Ehre gebührt dem Italiener Evangelista Torricelli, der es - sorry, Otto - sechs Jahre früher schaffte.

So geht es munter weiter. Da synthetisiert Felix Hoffmann laut Broschüre die erste Acetylsalicylsäure (1897) - in Wirklichkeit gelang das dem Franzosen Charles Frédéric Gerhardt bereits 40 Jahre früher. Hoffmann machte den Stoff lediglich reiner und brachte ihn bei Bayer Chart zeigen als Aspirin zur Marktreife. Den Buchdruck bekommt wieder einmal Johannes Gutenberg (1440) zugesprochen, obwohl inzwischen gut dokumentiert ist, dass die Chinesen 300 Jahre früher das Prinzip entwickelten.

Die Amis gehen leer aus

Den Autoren ist es anscheinend schwer gefallen, 50 Innovationen zusammenzubekommen. Not macht erfinderisch: Als herausragende deutsche Ideen müssen folglich die Currywurst (Herta Heuwer, 1949), die Reformation (Martin Luther, 1517) und die Sozialgesetzgebung (Otto von Bismarck, 1883) herhalten. Letztere sei ein Vorbild für den Rest der Welt gewesen, zumal für die erzkapitalistischen Briten. Dass der englische Schatzmeister William Dowdeswell bereits 100 Jahre vor dem Eisernen Kanzler die ersten Sozialgesetze durchs Parlament boxte, ist den Autoren, wie so vieles, entgangen.

Die Fibel, die von der Innovationsinitiative derzeit an die Außenstellen des Goethe-Instituts verteilt wird, soll auch ins Englische übersetzt werden. Vor allem Amerikaner, die stolz auf Erfinder wie Levi Strauss, George Stibitz, oder Thomas Edison sind, dürfen sich auf einiges gefasst machen. Sie können dann Schwarz auf Weiß nachlesen, dass Bluejeans, Computer und Glühbirne allesamt deutsche Erfindungen sind.

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