Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg: "Im Interesse des Unternehmens vom Gesamtbetriebsrat ausgegeben"
Hannover/Wolfsburg - Der ehemalige VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer hat in den vergangenen zwei Jahren 780.000 Euro als Eigenbelege abgerechnet, berichtet die Zeitung "Neue Presse" aus Hannover. Diese Belege lägen mittlerweile gesammelt bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig vor, berichtete das Blatt unter Berufung auf konzernnahe Kreise.
Nach Angaben der Zeitung stand auf den Belegen, die Gebauer abgezeichnet hat: "Im Interesse des Unternehmens vom Gesamtbetriebsrat ausgegeben." Gebauer, für die Koordination zwischen VW-Vorstand und Betriebsrat zuständig, soll ein freies Budget zur Verfügung gehabt haben, das nicht kontrolliert wurde. Eigenbelege werden ausgestellt, wenn keine Quittungen oder Rechnungen vorliegen. Laut Presseberichten finanzierte der Konzern auf diese Weise unter anderem Lustreisen für die Arbeitnehmervertreter.
Ein Ende der Ermittlungen in der VW-Affäre ist nicht abzusehen. Die Untersuchungen würden noch Monate dauern, hatte die Staatsanwaltschaft Mitte der Woche erklärt. Die Strafverfolger ermitteln gegen Gebauer, sowie gegen Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster wegen des Verdachts der Untreue. Der jüngst zurückgetretene Personalchef Peter Hartz und Ex-Betriebsratchef Klaus Volkert sind davon bislang nicht betroffen.
Lösung in der Gehälteraffäre
In einer anderen Krise bei Volkswagen
zeichnet sich dagegen eine Lösung ab. Die beiden in die Gehälteraffäre verwickelten SPD-Landtagsabgeordneten Ingolf Viereck und Hans-Hermann Wendhausen lassen ihre Arbeitsverhältnisse bei Volkswagen auf eigenen Wunsch weiterhin ruhen, teilte der Konzern mit.
Die Abgeordneten begründeten diesen Schritt damit, Schaden von dem Unternehmen abwenden und zu einer "Versachlichung der öffentlichen Diskussion" beitragen zu wollen. Volkswagen begrüßte die Entscheidung.
Die Abgeordneten hatten zehn Jahre lang neben ihren Diäten noch ein volles Gehalt bezogen. Beide Parlamentarier standen bis zum Jahreswechsel bei Volkswagen weiter auf der Gehaltsliste, ohne entsprechende Gegenleistungen erbringen zu müssen. Danach ließen sie ihr Arbeitsverhältnis ruhen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH