Dresden - Bei den Filialen werde es "nicht zu dramatischen Veränderungen kommen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des in London ansässigen Immobilienfonds Dawnay, Day Principal Investments, Guy Naggar, der "Sächsischen Zeitung". Die Handelskette solle für die nächsten fünf bis zehn Jahre in der derzeitigen Form bestehen bleiben. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben.
Naggar sieht in der Investition eine große Chance. Deutschland sei nach wie vor eine starke Wirtschaft und werde sich im Laufe der kommenden fünf bis sechs Jahre deutlich erholen. Deshalb habe Dawnay Day in den vergangenen zwei Jahren bereits Immobilien in 41 vorwiegend westdeutschen Städten gekauft.
Der britische Immobilienfonds Dawnay Day hat zusammen mit dem anglo-amerikanischen Immobilieninvestor Hilco UK 74 kleinere Filialen des angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzerns übernommen. Beide Unternehmen hatten jeweils 50 Prozent der Kaufsumme aufgebracht.
KarstadtQuelle
hat sich mit dem Verkauf im Überlebenskampf zunächst ein wenig Luft verschafft. Allein mit dem Verkauf der Warenhäuser, die für eine Übergangszeit den Namen City-Karstadt führen dürfen, wurden nach Angaben des Handelskonzerns knapp 500 Millionen Euro erlöst. Damit sei der erste Teil des Verkaufsprogramms vor der selbst gesetzten Frist abgeschlossen worden, sagte Vorstandschef Thomas Middelhoff heute in Essen.
Jetzt könne sich der Essener Handelskonzern wieder voll auf sein eigentliches Kerngeschäft konzentrieren. "Das ist ein Durchbruch für die nachhaltige Sanierung unseres Unternehmens", betonte Middelhoff. Gestartet werde nun auch der Verkauf des Ratenkreditgeschäftes und der Karstadt-Hypothekenbank, mit dem zusätzlich 1,3 Milliarden Euro erlöst werden sollen. "Wir verkaufen diese Posten nicht, weil wir müssen, sondern weil wir Spielraum nach vorne wollen", betonte Middelhoff. Die Finanzierung des Konzerns sei sichergestellt.
KarstadtQuelle kämpfte in den ersten sechs Monaten 2005 weiter mit Umsatzrückgängen und wies erneut tiefrote Zahlen aus. Die Erlöse des Essener Konzerns (ohne die ausgegliederten Feinkostabteilungen) schrumpften bei Verkäufen und internem Umbau um fast acht Prozent auf gut 5,8 Milliarden Euro. Für die Waren- und Sporthäuser von Karstadt weist das Unternehmen ein Umsatzminus von insgesamt 6,6 Prozent auf 2,26 Milliarden Euro aus. Im Versandhandel um Quelle und Neckermann ging der Umsatz noch stärker um acht Prozent auf 3,46 Milliarden Euro zurück. Auch die Geschäfte mit Dienstleistungen und Immobilien verliefen im ersten Halbjahr eher schleppend.
Sanierung noch nicht abgeschlossen
Trotz der jetzt zu erwartenden 1,1 Milliarden Euro ist KarstadtQuelle noch lange nicht über den Berg. Die durchgreifende Sanierung des im vorigen Herbst von der Pleite bedrohten Handelskonzerns ist längst nicht abgeschlossen: Unter dem Strich schlug im ersten Halbjahr 2005 immer ein Konzernverlust von 265 Millionen Euro zu Buche. Damit wurde der Verlust gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres nur um elf Prozent verringert. KarstadtQuelle hatte vor rund zwei Wochen einen Gewinnwarnung herausgegeben und dabei die Prognose für das operative Ergebnis (Ebitda) im Gesamtjahr um 150 auf rund 350 Millionen Euro gesenkt.
Die anhaltenden Verluste belasten weiterhin die Bilanz von KarstadtQuelle. Trotz der Kapitalerhöhung vom Herbst weist der Konzern daher zum 30. Juni 2005 lediglich 320 Millionen Euro Eigenkapital aus. Das entspricht einer Eigenkapitalquote von 3,3 Prozent, nach 5,7 Prozent zum Jahresende und 12,8 Prozent Juni 2004.
Middelhoff betonte aber, dass KarstadtQuelle im operativen Geschäft bis auf eine Ausnahme deutliche Fortschritte gemacht habe. Die Handelsspanne habe sich allein im zweiten Quartal 2005 um 2,5 Prozent verbessert. Dies belege, dass die schlanken Strukturen griffen. Im Warenhausgeschäft sei die Talsohle erreicht. Nach einem guten Start in den Juli liege das Kerngeschäft der 89 großen Warenhäuser inzwischen erstmals seit Jahren wieder über Plan. Bei den kleinen Warenhäusern standen ursprünglich 75 auf der Verkaufsliste - nun hält KarstadtQuelle aber am Stammhaus in Wismar fest. "Wir haben uns verbunden gefüllt zu den Wurzeln des Konzerns", sagte Middelhoff.
Sorgenkind Versandhandel
Erheblichen Handlungsbedarf sieht Middelhoff im Universalversand in Deutschland, dessen schlechte Entwicklung die Gewinnwarnung ausgelöst hatte. Es gebe zu dem Bereich Gespräche mit Arbeitnehmervertretern, über deren Inhalt aber Stillschweigen vereinbart worden sei.
Mit den Verkäufen von Randaktivitäten und dem vereinbarten Stellenabbau sinkt die Mitarbeiterzahl von KarstadtQuelle drastisch. Allein durch den Verkauf der kleinen Warenhäuser sowie der Veräußerung der Fachhandelsketten SinnLeffers (Textil) und Runners Point (Sportartikel), die heute ebenfalls bekannt gegeben wurde, verlassen weitere 11.000 Mitarbeiter den Essener Konzern. Alle betroffenen Mitarbeiter würden von den neuen Eigentümern, den Finanzinvestoren, übernommen. Die Mitarbeiterzahl des Essener Konzerns war bis Ende Juni 2005 bereits auf 83.000 gesunken.
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