Wirtschaft



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16.08.2005
 

Ex-Fotografin Schambach

Auf den Senf gekommen

Von der arbeitslosen Fotografin zur erfolgreichen Senf-Produzentin: Merit Schambach hat mit ihren Bananen-, Erdbeer- und Kakaosenfen eine Marktlücke entdeckt. Die Idee für das Projekt lieferte die Sendung mit der Maus.

Senf-Köchin Schambach: "Zwischen Höhenflügen und Depression"
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DPA

Senf-Köchin Schambach: "Zwischen Höhenflügen und Depression"

Hamburg - Die Geschichte von Merit Schambach klingt so, als wäre sie auf dem Reißbrett einer Werbeagentur für eine Hartz-Promotion-Kampagne entstanden: Eine arbeitslose Fotografin sieht in der Sendung mit der Maus, wie Senf hergestellt wird und dass man eigentlich alles in die scharfe Paste hineinmischen kann.

Sie stellt sich mit ihrem Mann - der hauptberuflich Opern komponiert - in die Küche und probiert die wildesten Mischungen aus: Himbeer-, Erdbeer- und Bananensenf entstehen, sogar vor Kakao- und Kaffeemischungen schreckt Merit Schambach nicht zurück.

Weil die Kreationen viel Lob von Freunden und Bekannten bekommen, gründet sie eine Ich-AG, um ihren Senf professionell zu vermarkten. Das Geschäft wird ein riesiger Erfolg. Inzwischen hat die 34-Jährige einen freien Mitarbeiter und einen 120-Quadratmeter-Laden in Berlin-Kreuzberg, von wo aus sie die Produkte aus ihrem "Senfsalon" sogar an Kunden in der Schweiz und in Frankreich liefert.

"Für mich war die Ich-AG perfekt"

Ganz so glorreich, wie es sich anhört, findet Merit Schambach ihre Selbständigkeit freilich nicht: "Als Selbstständiger schwankt man immer zwischen Höhenflügen und Depressionen", sagt sie. Manchmal rennen die Kunden die Bude ein, dann wieder ist es wochenlang lau. Über Auftragsmangel kann sich die Senfköchin derzeit zwar nicht beklagen, aber für Maschinen, Werbe- und Verpackungsmaterial gehe auch einiges drauf.

"Wir stecken jeden Cent, der übrig bleibt, wieder ins Geschäft", sagt sie. Außerdem ist da noch der Förderkredit der Berliner Investitionsbank (IBB), den sie abbezahlen muss: 25.000 Euro - ab Dezember geht die Tilgung los. Trotzdem werde der Erlös aus dem Geschäft wohl auch nach dem Auslaufen der Ich-AG-Förderung im nächsten Jahr für ihre vierköpfige Familie zum Leben reichen, sagt Schambach.

"Für mich war die Ich-AG perfekt", resümiert sie. "600 Euro haben oder nicht haben macht schon einen Unterschied." Aber sie sei als freie Fotografin auch nicht völlig kopflos in die Selbständigkeit gestürzt. "Ich wusste wenigstens wie man eine Steuererklärung machen muss." Für den Förder-Kredit der IBB musste sie außerdem einen mehrtägigen Kurs für Existenzgründer mitmachen.

Wie man allerdings dafür sorgt, dass das Lager immer genau richtig gefüllt ist oder welche Vorschriften aus dem Wust an Gesundheitsauflagen dabei beachtet werden müssen, das mussten sie und ihr Mann sich mühsam erarbeiten. Das kann Nerven kosten - und Zeit. Die beiden sechs- und siebenjährigen Kinder bekommen die Mutter deshalb eigentlich nur morgens, abends und am Wochenende zu Gesicht. "Aber die sind stolz auf den Laden", sagt Schambach.

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