Wiesbaden - Rund 2,91 Millionen Menschen in Deutschland haben Ende vergangenen Jahres Sozialhilfe bekommen, erklärte das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden. Das waren 3,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Die Zahl der sozialhilfebedürftigen Kinder unter 15 Jahren stieg um 3,2 Prozent auf 965.000 an - das sind 8,1 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe. Insgesamt bezogen 1,46 Millionen Haushalte die Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Heimen. Die Sozialhilfequote stieg binnen Jahresfrist von 3,4 auf 3,5 Prozent.
Dabei sank die Zahl der älteren Sozialhilfebezieher ab 65 Jahren um 20,1 Prozent auf 78 000. Grund dafür ist nach Angaben der Statistiker ein neuer Topf, aus dem der Lebensunterhalt der Senioren nach in Kraft treten eines neuen Gesetzes gesichert wird.
Die meisten Sozialhilfeempfänger leben in den drei Stadtstaaten Bremen (9,0 Prozent), Berlin (8,0 Prozent) und Hamburg (7,1 Prozent). In den alten Bundesländern erhöhte sich die Zahl der Sozialhilfeempfänger im vergangenen Jahr um drei Prozent, in den neuen Ländern war die Erhöhung mit 4,4 Prozent deutlich stärker.
Wohlfahrtsverband sieht höhere Kinderarmut
Kritik an der Statistik übte der Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV). Die Zahlen sagten nichts über die tatsächliche Situation in Deutschland aus. Diese habe sich mit Hartz IV seit Beginn des Jahres 2005 massiv verschlechtert, erklärte der Verband. "Die Situation ist wesentlich dramatischer, als es diese Statistik zum Ausdruck bringt", sagte der DPWV-Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. "Seit dem 31. Dezember 2004, dem Stichtag der Sozialhilfestatistik, hat sich die Zahl der auf Sozialhilfeniveau lebenden Menschen mehr als verdoppelt."
Besorgniserregend gestiegen sei vor allem die Zahl der Kinder, die in Armut leben. Die Quote der unter 15-Jährigen, die auf Sozialhilfeniveau leben müssen, liege weit über den vom Statistischen Bundesamt für Ende des vorigen Jahres konstatierten 8,1 Prozent. In einigen Kreisen betrage die Kinderarmutsquote bereits über 30 Prozent, betonte der Verband.
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